"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Mittwoch, 13. Juli 2011

Dienstag




Ein Vorteil der Freiberuflichkeit ist die freie Zeiteinteilung. Hat man also für ein paar Tage Besuch von einem Teenager, kann man auch mal einen Teeny-Power-Shopping-Tag einlegen. So bleibt man auf dem Laufenden, sollte aber auf keinen Fall seine Brille vergessen.
Erste Anlaufstelle „Hollister“. Ambiente: Surfshop um Mitternacht, denn es ist dunkel, die Musik dafür Disco-laut. Alle Bedienungen, ach nee, die heißen ja Shop-Manager, sprechen Englisch, aber auf die quitschig-amerikanischen Art. Die Sachen sind ganz hübsch, das viel gelobte Parfum recht süßlich, dafür riechen die Körpersprays aber lecker. Ich habe nur leider ein Problem: Die an der Ware befestigten Etiketten sind mittelbraun, die Schrift ist grau und die Schriftgröße liegt eindeutig außerhalb meiner Altersweitsicht-Möglichkeiten. Ohne Brille läuft da nichts. Allerdings ist das auch wieder peinlich. Also frage ich ein übers andere Mal meine junge „Betreuerin“: „Sag mal, welche Größe ist das und was kostet das?“
Hmm, da ist mir H&M schon vertrauter, die Etiketten sind groß und es ist hell. Leider wachse ich hier leider auch aus der Zielgruppe heraus. Die Sachen sind schlecht verarbeitet, die Materialen „fuddelig“ und der Stil langweilig. Zudem auch noch alles von asiatischen Kinderhänden gefertigt.
Ihr merkt schon, was das Shoppen angeht habe ich meine Unschuld verloren. Mit zunehmendem Alter entwickelt sich nicht nur ein Gewissen bzgl. der Herstellung der Waren und ein gehobener Qualitätsanspruch, es tritt auch eine gewisse Ermüdung ein, denn alles was z.Z. auf den Bügeln hängt und in den Regalen liegt, war modemäßig schon einmal da.
Aber über eine Sache freue ich mich doch:
Über das Jagdfieber und die ungetrübte Shoppingfreude der süßen Maus an meiner Seite.

Montag, 4. Juli 2011

Dienstag

Telekom 2. Teil: Mit viel Nervenkraft und einer Technikerin am Telefon konnte ich meine Internettelefonie immerhin so einrichten, dass wir jetzt mit einem analogen Telefon wieder telefonieren können. Jetzt warten wir auf die Vertragsänderung. Der nette, Junge Mitarbeiter, der unseren Antrag aufgenommen hatte, fand es zeitgemäßer im Antragsblatt einen Tarif mit Internettelefonie einzutragen, der ist auch 1,20€ günstiger als ISDN. Leider ist der nette, junge Mann mittlerweile in eine andere Filiale versetzt worden, sonst hätte er gestern mit ein paar blauen Flecken rechnen können. Jetzt müssen wir den Vertrag wieder auf ISDN ändern, ich könnte schreien. Natürlich geht das aus nicht sofort, sondern dauert mind. eine Woche.

Nun gut, Schwamm drüber. Die Telekom und andere Anbieter zählen für mich mittlerweile unter die Kategorie: „Höhere Gewalt“. In den letzten fünf Jahren habe ich von keinem in meiner Umgebung gehört, dass eine Umstellung, zu was auch immer, reibungslos funktioniert hätte. Auch bei uns nicht. Dazu kommen hoffnungslos verstopfte Hotlines und häufig sehr nette und bemühte Callcenter-Mitarbeiter, die aber mangels Information häufig nicht weiter helfen können.

So gesehen ist die Telekom eines der letzten unwägbaren Abenteuer unserer Zeit. Also, für den Fall das man sich mal langweilt.

Bis morgen…..

Montag




„Never change a running system“, eine Weisheit die man immer beherzigen sollte. Wir haben es nicht getan und unseren Telekom-Tarif gewechselt. Am Samstag kam eine neue Speedbox ins Haus und ab heute sollte alles laufen. Also, alles brav nach Anleitung aus und umgesteckt und siehe da, Internet läuft, Fax funktioniert, aber leider das Wichtigste, unser Telefon versagt seinen Dienst.
Anruf bei der Telekom.
Erste Warteschleife, dann ein Mensch am anderen Ende der Leitung. „Ohweh“, sagt er, da scheint wohl was schief gegangen zu sein und verbindet mich weiter.

Zweite Warteschleife: „Sie haben ISDN abbestellt und jetzt nur noch Internettelefonie.“ Sagt die Dame schnippisch. „Aber das habe ich nicht bestellt, ich wollte lediglich zu unserem bestehenden Tarif „Entertain“ dazu haben.“ „Ja“, sagt die Schnepfe, dann haben SIE sich wohl falsch ausgedrückt: „Dann müssen Sie den Vertrag kündigen und es nochmal versuchen.“ Bevor ich ihr durchs Telefon kommen konnte, hatte sie mich schon wieder in die Warteschleife gedrückt und dort wäre ich wahrscheinlich immer noch, wenn ich es nicht nochmal von Anfang an versucht hätte.

Dritte Warteschleife: „Oh, da kann ich ihnen nicht helfen, ich verbinde zu einem Techniker.“

Vierte Warteschleife: „Sie sprechen mit dem Azubi, Frau xyz.“
„Ähm, ich sollte mit einem Techniker verbunden werden.“
„Ach so, worum geht es denn?“
Das Mädel war nett und sehr bemüht. Ich schilderte ihr die Lage und sie telefonierte rum und fragte sich durch. Das Resultat: „Es tut uns leid, man hat Ihnen die falsche Speedbox geschickt. Die richtige, also die für ISDN fähige Telefone wurde allerdings letzte Woche aus dem Programm genommen. Nun müssen Sie sich ein neues, analoges Telefon kaufen. Sie schicken uns die Rechnung und wir erstatten die Kosten.“
Okay, ein analoges Telefon haben wir im Keller. Nur leider will das auch nicht funktionieren und es ist noch nicht einmal alt. Nun versuchen wir es beim Telekomladen, vielleicht können die uns helfen. Wenn nicht sollte ich vielleicht dort ein kleines Sit-in veranstalten. Über Facebook finden sich bestimmt ein paar hundert Menschen mit zuviel Zeit, die mit mir diesen Laden still legen, solange bis bei mir wieder ein Telefon funktioniert.

Bis morgen……….(sofern dann das Internet noch funktioniert)

Freitag, 1. Juli 2011

Freitag




Heute hat mich wieder der Hausfrauenteufel überfallen. Nein nicht der Putzteufel, der wohnt hier nicht, kommt auch nur selten vorbei. Es ist der Selbermachteufel, ein netter putziger Kerl, der mir immer sagt: „Kauf nicht so viel Mist, mach es lieber selber.“
Und es erstaunt mich immer wieder was man in zwei Stunden so alles schaffen kann. Los ging es mit zwei süßen Brotaufstrichen, eine Milch- und eine Schokocreme. 100% Bio und dermaßen lecker, das verschenkte Gläser meist an ein bis zwei Tagen leer gegessen werden und flehende Anrufe mit der Bitte um Nachschub kommen. Heute produziere ich nur für mich, naja, für uns.
Lange überfällig war auch mein selbstgemachter Essig, der so mild und aromatisch ist, dass man ihn pur löffeln kann und der geht so einfach:

3EL Zucker + 1EL Salz in einem großen Topf karamellisieren, also schmälz lassen. Dann mit einer Flasche Haushaltsessig ablöschen, ein kleines Netz Zwiebeln, geschält und geviertelt und 4 Knoblauchzehen dazu geben. Das ganze einmal aufkochen und dann eine halbe Stunde köcheln lassen. Danach in eine Milchflasche (wegen dem breiten Hals zum Einfüllen) füllen, verschließen und kalt werden lassen. Schon hat man einen super leckeren Essig der zu jedem Salat passt.

Aus den angedötschten Birnen wurde dann noch schnell ein Birnenmus, Küche aufgeräumt, Mittagessen vorbereitet und jetzt gehe ich zur Krankengymnastik. Passt gut, oder? Jetzt werden alle Knochen und Muskeln wieder eingerenkt und dann geht’s weiter. Nach einem langen Hundespaziergang gehe ich heute das erste Mal in meinem Leben zum Blutspenden. Ich bin gespannt. Da ich ja kein Geld mehr spende, sondern meinen Beitrag zur Gesellschaft in Form von Ehrenamtsarbeit leiste, gehört Blutspenden meiner Meinung nach auch zu den sinnvollen Spenden die man ohne Bedenken leisten kann.

Bis nächste Woche…..

Donnerstag, 30. Juni 2011

Donnerstag

Gestern begegnete mir eine Mutter der neuen Generation (obwohl im gleichen Alter wie ich) die die lästige Erziehung ihrer Kinder ganz in die Hand öffentlicher Institutionen gibt.

Immer mittwochs gebe ich einen Tastschreibkurs (Zehn-Finger-Schreibsystem) für die Unterstufe eines Gymnasiums. Die Schüler sind häufig müde, nach einem langen Schultag und überdreht, aber gut drauf und erstaunlich motiviert. Schon nach ein paar Unterrichtseinheiten zeigen sich die ersten Fingerakrobaten, aber auch Kinder die vorher skeptisch waren, machen große Fortschritte. Ein Junge hat allerdings überhaupt keine Lust auf den „Mist“ und macht in den 90 Minuten allerhand „jedöns“. Ich mag ihn, finde aber auch, dass er die anderen Schüler stört und sich selber nicht quälen sollte, denn der Kurs ist freiwillig und wer nicht will sollte auch nicht müssen, denn so lernt man nichts.
Ich sprach erst mit ihm, dann mit seiner Mutter und diesen Dialog mit der Mutter muss ich hier mal kurz wiedergeben:

Ich: „Frau X, ihr Sohn hat überhaupt keine Lust auf den Kurs. Wollen Sie ihn nicht
lieber raus nehmen. Das macht doch keinen Sinn. Warum soll er sich denn
quälen?“
Fr. X: „Natürlich hat der keine Lust, ich habe ihn ja dazu verdonnert das zu machen. Aber in Ihrem Prospekt steht: Jedes Kind lernt bei uns mit Spaß das Zehn-Finger-Schreibsystem. Wenn mein Sohn keinen Spaß hat, liegt das nicht an ihm sondern an Ihnen. Dann ist ihr Kurs nichts wert und ich kann mein Geld zurück verlangen.“
Ich: „Nun, die anderen Kinder sind motiviert, machen mit und haben anscheinend auch Spaß, aber gegen Arbeitsverweigerung bin ich machtlos. Was soll ich Ihrer Meinung nach mit Ihrem Sohn machen? Ich kann ihn doch nicht zwingen.“
Fr. X: „Das ist ihr Problem. Wenn Sie meinen Sohn nicht motivieren können, taugt Ihr Kurs nichts.“

Der arme Junge. Von seiner Klassenlehrerin weiß ich, dass er bisher aus allen Kursen rausgeflogen ist und sie sich wundert, dass ich eigentlich ganz gut mit ihm auskomme. Fr. X kam gestern zum Hospitieren in die Klasse, ging ein ums andere Mal zu ihrem Sohn an den Platz und flüsterte mit ihm, so lange bis dem Jungen die Tränen in den Augen standen. Das tat mir in der Seele weh.

Für mich heißt das, bevor man einen nervig, wilden und anstrengenden Jungen wegen seiner Art verurteilt, oder ihn bestraft, sollte man sich erstmal seine Eltern angucken. Denn wie heißt es so schön: „Die Kinder kommen selten auf die Nachbarn.“

Bis morgen…….

Montag, 27. Juni 2011

Montag

Langes Wochenende, Feier- und Brückentag liegen hinter uns und ich sollte top erholt sein. Aber, nur zwei Stunden Schlaf tragen nicht zu meiner jugendlichen Frische bei. Um halb zwei stand der Hund jauchzend vor meinem Bett. Sie wollte in den Garten. Dem armen Tier war schlecht (zwei geklaute Grillwürstchen waren schuld, nehme ich an). Sie fraß Gras und übergab sich. Noch drei Mal in dieser Nacht und ich war hellwach. Leider konnte ich von dieser fröhlichen Wachheit nichts in den Vormittag retten und daher sitze ich hier nur mit einem wachen Auge. Vor der Tür wird unser Vorgarten gepflastert und ich versuche mich auf mein „Allerlei“ auf dem Schreibtisch zu konzentrieren. Gähn.
Wie gut das es To-Do-Listen gibt. Die arbeite ich peu a peu, ganz langsam, ab.
Da es heute sehr heiß werden soll, möchte das Kind heute Nachmittag mit mir ins Stadionbad. Bei dem Gedanken in einem völlig überfüllten Freibad in der Sonne brutzeln zu müssen, finde ich Büroarbeit geradezu erfrischend.

Bis morgen.....

Mittwoch, 22. Juni 2011

Mittwoch




Also wirklich, Spaß ist anders. Um 7:45 Uhr, noch mit nassen Haaren saß ich am Schreibtisch mit meinen ersten Telefontermin. Übernachtungsgast mümmelte mit Kind und Mann noch gemütlich am Frühstücksbrötchen. Nachdem ich mich in einen gesellschaftsfähigen Zustand gebracht, und die ganze Bagage aus dem Haus vergrault hatte, konnte der Tag beginnen. Unterlagen zusammen packen und zwei Kundenterminen wahrnehmen. Leider erfolglose Kundentermine, zumindest der eine. Bei dem anderen gibt es noch Hoffnung. Mal sehen.
Anrufbeantworter vollgebabbelt. Jetzt aber bloß niemanden zurückrufen den ich gerne sprechen würde, sonst ist wieder eine Stunde dahin. Gerne würde ich auch mit meiner Cousine reden, aber dann sind eineinhalb Stunden dahin. Geht nicht. „Sitz, platz, halt die Klappe, kleiner Schweinehund in mir. Ich muss noch sechs Unterrichtseinheiten vorbereiten.“
Immerhin, ein kleines Highlight: Eine Stunde Hunde-Gassi-Gehen, mit einer Freundin. Leider bei strömendem Regen.
Nachmittags: Zahnspangentermin mit meiner Tochter. Da kann ich wieder die nette Zahnärztin bei der Arbeit beobachten. Überhaupt könnte ich in die Praxis bald einziehen, so häufig wie wir dort sind.
Ach nee, Spaß ist irgendwie anders.

Bis morgen…….

Dienstag


Gestern beneidete ich meine Zahnärztin. Nicht dafür, dass sie meine Krone neu einbetonieren musste und auch nicht dafür, dass sie jeden Tag vielen fremden Leuten in den Mund schauen darf, sondern für die Struktur ihrer Arbeit. Ihr stellt sich die Frage was sie als nächstes machen soll/muss nicht. Das Wartezimmer ist jederzeit voll. Von morgens bis abends hilft sie einem Patienten nach dem anderen, nur unterbrochen von einer kurzen Mittagspause. Sie weiß immer was als nächstes zu tun ist und sie weiß was sie abends getan hat. Cool!
Ich wusste es vorhin nicht. Nach einem dreistündigen Termin in Dormagen saß ich etwas ratlos und unruhig an meinem Schreibtisch vor einer ziemlich langen To-Do-Liste und sprang immer wieder, wie ein verschrecktes Huhn, auf. „Du brauchst dringend einen Kaffee, Barbara.“ Also, runter in die Küche. Zurück an den Schreibtisch. Leider kam ich dabei an einem Spiegel vorbei. „Du musst unbedingt zum Friseur.“ Also, schnell einen Termin vereinbart. „Ah, eine E-Mail von XY, wie schön, die musst du gleich beantworten.“
Okay, dachte ich mir, mach eine Pause, sortier dich neu und dann fängst du nochmal an. So wird das ja nichts. Also, einen Apfel gegessen, dabei die Morgenzeitung durchgeblättert. Telefon. „Quatsch nicht so lange, Barbara“, ermahnte ich mich. „Du musst noch was tun.“
„Mama, du musst mir mal helfen, ich versteh das nicht.“ Sprach das Kind.
„Hast du an unseren Übernachtungsgast gedacht, für heute.“ Sprach der Mann. Nein habe ich nicht. Oje, total vergessen. Muss noch das Bett überzogen werden.
„Okay, jetzt aber.“ Noch schnell zwei geschäftliche E-Mails und einen Werbebrief verfasst und…... „Was gibt es zum Abendessen?“ Sprachen meine beiden Mitbewohner. „Gut, ich gebe auf und Hunger habe ich auch.“
Vielleicht ist es doch nicht so schlecht anderen Leuten den ganzen Tag in den Mund zu schauen…….

Bis morgen…..

Montag, 20. Juni 2011

Montag

Es ist 8:45 Uhr. Kind und Mann sind aus dem Haus, der Hund ausgeführt, die E-Mails gelesen und bearbeitet. Ein Protokoll, meine Reisekostenabrechnung und kleinerer Papierkram sind auch erledigt. Vor neun brauche ich nicht zum Telefon zu greifen, da klingel ich nur ins Leere.
Ein ganz normaler Montagmorgen. Die Arbeitswoche hat begonnen. Arbeit? Hmm, sagen wir, der Alltag einer ganz normalen Woche hat begonnen. Ich bin Freiberuflerin. Hört sich zumindest gut an. Aber vielleicht bin ich auch eine Hausfrau mit drei Jobs, diversen Hobbies, vielen Interessen und einem kleinen Freundeskreis der gepflegt werden will. Genau so wie die Familie, der Garten und das Haus auch ein wenig Pflege erhalten möchten.
Laut neusten Erhebungen wählen immer mehr Menschen den Weg der freiberuflichen Arbeit. Die Einen weil sie die Freiheit lieben zu arbeiten bei freier Zeiteinteilung, ohne Chef im Nacken. Wobei jeder Auftraggeber ein kleiner Chef ist dem man dient und eine freie Zeiteinteilung nur bei niedriger Auftragslage möglich ist. Die Anderen weil sie keine Wahl haben, evtl. nicht in ihrem alten Beruf arbeiten können oder aufgrund ihres Alters keine feste Anstellung mehr bekommen. Gründe gibt es viele.
Nun, meine Auftragslage in dieser Woche ist mäßig, inklusive Feier- und Brückentag am Donnerstag und Freitag steht sie wohl eher unter dem Motto „frei“, statt „beruf“ und trotzdem wird auch diese Woche wie im Flug vergehen und ich mich fragen: Was hast du eigentlich die ganze Zeit gemacht?

Vor zehn Jahren war die Lage klar. Aufstehen, Frühstücken, stylen und zur Arbeit gehen in ein Büro mit festen Arbeitszeiten und Kollegen. Kalender aufschlagen, E-Mails beantworten, Telefonate führen und von einem Meeting ins nächste rennen. Sollte tatsächlich mal ein Leerlauf eintreten, stand entweder ein Chef oder ein Kollege am Schreibtisch, oder das Telefon klingelte. Leerlauf beendet. Fragen wie: Was mache ich als nächstes?, Was hat Priorität?, Wozu habe ich Lust?, stellten sich nicht. Morgens rein ins Hamsterrad und abends wieder raus. Fertig. Der Tag hatte eine feste Struktur. Und auch die Frage am Ende des Tages: Was habe ich heute eigentlich gemacht?, kam nicht auf. War ja klar. Ich war arbeiten. Auch wenn der Arbeitstag nicht immer produktiv war, wertvolle Zeit in endlosen Meetings versandete, auf Dienstreisen verpuffte, oder sich am internen Wahnsinn einer Firma wund lief.

So, was mache ich denn jetzt?
Jetzt sind wohl auch die Herrschaften von der Wohnungsbaugesellschaft wach und munter, ebenso wie mein Steuerberater und eine meiner Chefinnen, dann werde ich jetzt mal telefonieren. Danach erwartet mich ein netter Zahnarzttermin. Zur Belohnung treffe ich mich mit einer lieben Freundin beim Sushi-Man zum Mittagessen. Ist ja nur, weil ich keine Kantine habe und essen muss der Mensch ja, gell. Aber danach geht es ja noch weiter: Kind, Hund und neue Homepage gestalten, eine Liste von Schülern anrufen, Termine absprechen und im nu ist der Tag vorbei. Falls mir heute Abend wieder nicht einfallen will was ich heute den ganzen Tag gemacht habe, kann ich das ab jetzt in meinem Blog nachlesen.

Bis morgen….

Montag, 31. Januar 2011

Projekt 180 – Finale




Am Wochenende geht meine Konsumdiät zu Ende. Und wie mit vielen Dingen die man mal so anfängt, kam auch bei mir eins zum anderen. Aber der Reihe nach: Habe ich durchgehalten? Ja und Nein. Ich habe meine Habseligkeiten um 6 Teile erweitert: Zwei Kleider (davon eines selbstgenäht), eine Jeans (da ich 10 Kilo abgenommen habe und mir langsam alles vom Leib fällt) und ein paar Schneestiefel, nachdem meine sieben Jahre alten Stiefel undicht wurden, ausgerechnet als der dickste Schnee lag und zwei Bücher. Eines habe ich hier schon besprochen und ein weiteres kommt von Karen Duve „Anständig essen“. Ansonsten habe ich mich eher von Dingen getrennt, als weitere anzuhäufen. Insofern war ich also nicht zu 100% konsequent, aber ich bin zufrieden, da keine meiner Anschaffungen nutzlos war und auch in Zukunft werde ich mir jede Anschaffung genau überlegen.
So, das war das Eine und jetzt komme ich zum „Anderen“: Wer sich einmal auf sehr unterhaltsame Weise mit unserer modernen Ernährung und den Folgen beschäftigen möchte, dem empfehle ich den o.g. Selbstversuch von Frau Duve zu lesen. Es ist witzig, überaus spannend, erspart einem leider nicht das ein oder andere schmutzige Detail zu Tierhaltung, aber danach sieht man vieles mit anderen Augen.
Im Herbst merkte ich, dass sich meine Konsumdiät nicht alleine auf Konsumgüter im herkömmlichen Sinn beschränken kann. Einmal angefangen kam ich von Hölzchen auf Stöckchen: Was essen wir eigentlich und warum? Wo kommt unsere Nahrung her? In wie weit werden wir fremdbestimmt? Man hat uns aus der Verantwortung genommen. Wir gehen in den Supermarkt in der Annahme uns nur eben unser Mittagessen zu besorgen, aber die Auswahl trifft längst die Ernährungsindustrie für uns, die uns sagt was lecker und gut für uns ist und wir nicken dankbar über das Schlaraffenland was sie uns bietet ohne weiter über das Woher und Wie nachzudenken. Auch wenn wir den Gedanken daran gerne verdrängen, aber die Hähnchenpfanne für 2,99 hat nunmal eine Vorgeschichte, denn das Hähnchen wurde schlecht ernährt, grausam gehalten und hatte ein schreckliches und kurzes Leben. Okay, ich höre schon auf. Erzählen wollte ich eigentlich nur, dass sich in den letzten Wochen und Monaten auch der Lebensmittelkonsum unserer Familie radikal verändert hat. Es gibt nicht nur eine wöchentliche Abo-Gemüsekiste als Neuerung in unserem Haus. Fleisch und Milchprodukte kaufe ich nur noch regional aus artgerechter Tierhaltung. Dabei kommt es weniger auf Bio oder nicht Bio an, sondern auf die Einstellung und Leistung des einzelnen Bauern. Und spannend ist die ganze Sache auch noch, denn ich lerne ständig neue Produkte kennen und – was soll ich sagen: ES SCHMECKT!
Teuer? Naja, natürlich hatte ich in der Vergangenheit schon Anfälle von Pressatmung an der Kasse eines Biometzgers, aber das gute Gewissen und der Geschmack gleichen das leicht wieder aus, dafür gibt es eben weniger Fleisch und die Kosten für meinen Gesamteinkauf sind nicht gestiegen, da nicht mehr so viel Kram wahllos in meinem Einkaufswagen landet. Am Anfang hat man etwas mehr Mühe bei den Einkäufen, aber das legt sich sehr schnell. Ich kann nur sagen: Anständig essen ist machbar und bezahlbar. Probiert es aus.
balba

Montag, 24. Januar 2011

Mal Ernsthaft!



Konsumdiät hin oder her: Wer nichts ausgibt kann auch nichts sparen. Erst gestern ermahnte ich meinen Gatten doch in Zukunft bitte soviel zu verdienen, dass unsere monatlichen Ausgaben eine Summe erreichen bei der sich Sparen wirklich lohnt. Als Beispiel dient mir hier Mrs. Lisa Unwin mit ihrem Blog: Austerity Mum (Sparsamkeitsmutti) http://www.telegraph.co.uk/property/propertynews/8276061/Austerity-Mums-3.4m-new-home.html
Sie zeigte der Welt in ihrem Blog wie man doch den ein oder anderen Taler einsparen kann, z.B. in dem man eben nicht mehr mit dem Privatheli, sondern einfach nur First-Class in den Urlaub fährt und zwar nicht ins teure Hotel, sondern in eigene Ferienhäuser auf den Malediven oder in den französischen Alpen. Man muss Opfer bringen. Neulich gab sie sogar die Schuhe ihres Manns zum Besohlen in der Bond Street ab. Ein Frevel. Immerhin verfügt ihr Mann selbstverständlich über einen eigenen Leisten bei einem der wirklich guten Schuhmacher in der Bondstreet und wenn Schuhe abgelaufen sind, dann macht dieser eben ein paar Neue, für ca. 2.500 Pfund, oder so. Sie hatte sogar die Stirn ihrem verschwenderischen Mann zu sagen, dass 12 Designer Jeans reichen Naja, wollen wir mal nicht ungerecht sein, immerhin hat sie ein Herz für unterprivilegierte Menschen. Den Vorschlag, ihren Garten in Zukunft selber zu pflegen lehnte sie mit der Begründung ab: Das wäre total grausam dem Gärtner gegenüber, der braucht doch seinen Job. Sehr gut Frau Unwin, man hat schließlich Verantwortung für seine Domestiken.
Also Schatz, streng dich an! Wie soll ich sonst einen Helikopter einsparen, wenn wir uns nicht mal Erster Klasse leisten können. So geht das wirklich nicht weiter.
balba