"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Dienstag, 15. Dezember 2009

Biedermann gesucht!

Alle paar Wochen erscheint in den Frauenzeitschriften die Frage: Warum finden so viele schöne, intelligente, smarte, humorvolle, gut ausgebildete, tolle Frauen zwischen dreißig und vierzig keinen Mann?
Ausgerechnet diese Frauen der „Nach-Emanzipations-Ära“, für die Unterdrückung und Bevormundung durch den Mann Fremdwörter sind; die so selbstbestimmt leben können wie noch keine Generation vor ihnen, diesen Frauen tickt die innere Uhr so laut in den Ohren, das sie glauben sie hätten einen Tinitus.
Warum?
Ich glaube, viele Frauen machen es den Männern heute zu leicht. Ja wirklich! Was muss denn ein Mann heute noch bringen, außer ein paar Manieren vorrätig und einen einigermaßen ansehnlichen Job zu haben. Alles andere können Frauen alleine. Sie verdienen ihr Geld genauso selbstverständlich wie sie ein Regal aufbauen, bereisen die Welt alleine oder mit Freundinnen, fahren Porsche und erfüllen sich ihren Traum vom Fallschirmspringen. Ein Mann darf auf keinen Fall den Eindruck gewinnen sie seien von ihm abhängig, im Gegenteil, er soll sich frei fühlen und sich aus freien Stücken dafür entscheiden seiner Angebeteten zu Füßen zu liegen. Das tut der moderne Mann aber nur ungern, denn die Auswahl ist einfach zu groß und das Leben zu einfach.
Wollte ein Mann früher seinen Trieben nachgehen hatte das in jedem Fall Konsequenzen. Er musste Verantwortung für sein Tun übernehmen. Das braucht er heute nicht mehr. Kommt trotz Verhütung ein Kind auf die Welt, wird es von der Mutter alleine groß gezogen und das benötigte Geld verdient sich selbstverständlich auch alleine. Aber nicht nur in Sachen Nachwuchs ist er der Verantwortung entbunden. Auch das eventuelle Gefühlschaos das er hinterlässt ist ihm egal. Im Prinzip braucht er sich um nichts zu kümmern.
Ich kenne Frauen die ihren Prinzen gefunden haben, und seit dem damit beschäftigt sind das Leben zu organisieren. Sie kaufen und renovieren Häuser, Arbeiten Voll- oder Dreiviertel-Zeit. Organisieren, das komplette Privat- und Sozialleben, stellen Putzfrauen ein und feuern Kindermädchen, planen und buchen alle Urlaube, planen und organisieren die Ausbildung der Kinder, versorgen Hund, Katze, Maus, kleiden sich modisch aktuell, und verbringen einen Teil ihrer kargen Freizeit bei Friseuren und Kosmetikstudios um für den Prinzen begehrenswert zu bleiben. Und was macht der Prinz? Er kommt von einem langen, anstrengenden Arbeitstag, oder einer Dienstreise (mit ruhigem Schlaf ohne Kinder, aber mit Frühstücksbuffet und Fitnessraum etc.) nach Hause und muss sich erstmal ausruhen, beim Abendessen, was seine Frau noch schnell gekocht hat.
Der Prinz hat es richtig gemacht. Nach langem Zögern und Zaudern hat er sich das leistungsstärkste Weibchen seine Gattung heraus gesucht, die ihm ein angenehmes und gesellschaftlich anerkanntes Leben sichern kann. Sollte sie ihn eines Tages durchschauen, oder einfach nur schlapp machen, steht schon das nächste leistungsstarke Weibchen in den Startlöchern.
Hallo? Hört Ihr mich? War das das Ziel der Emanzipation? Jetzt haben wir nicht nur die gleichen Rechte wie die Männer, nein, wir übernehmen auch noch schnell ihren Lebenspart mit.
Einige junge Frauen haben es bereits erkannt und ich hoffe es werden im Laufe der Zeit immer mehr: Wenn ein Mann sich für eine Frau interessiert, dann sollte er nicht nur an ihrer Bettwäsche und den Annehmlichkeiten interessiert sein, die sie ihm bieten kann. Er muss Verantwortung übernehmen. Liebe Frauen, wartet nicht mit starrem Blick auf’s Handy auf seinen Anruf oder lasst euch viele Monate lang zum Horst machen. Sagt Sätze wie: Hey Süßer, ich könnte mich in dich verlieben, wenn du an einer Beziehung interessiert bist, dann bleib und wir versuchen es, wenn nicht dann geh sofort. Wenn du dich fürs Bleiben entscheidest, dann benimm dich auch so, sonst gehe ich sofort. Kein Hickhack, kein Gelaber, ja oder nein.

Ein sehr guter Freund von uns sagte letzte Woche in redseliger Bierlaune: Eigentlich sollten die Frauen sich viel schneller und häufiger in so Biedermänner wie mich verlieben, mit Haus, Garten, Mittelklassewagen, Fußballverein und Grillmeisterqualitäten, dann hätten sie viel weniger Sorgen.
Ein wirklich wahrer Satz. Seine Beziehung hält nun schon fast dreißig Jahre, das Kind ist gelungen, die Welt teilweise bereist, der Rasen gemäht, das Auto steht in der Garage und eine Frau (übrigens eine schöne, intelligente, smarte, humorvolle, gut ausgebildete, tolle Frau), die auch schonmal genervt ist von ihrem Gatten, sich streitet und manchmal hadert weiß aber, das er seine Pflichten kennt und sie über alles liebt.
Mal ehrlich, wollen das nicht die meisten der supertaffen Frauen? Ich glaube schon. Einen Mann der weiß was er will, weiß was er tut und Verantwortung für sich und die Menschen die er liebt übernimmt. Außerdem ist Brad Pitt schon vergeben.
balba

Dienstag, 8. Dezember 2009

Ohrhygiene



Montag Morgen, zehn nach Acht, bei ALDI. Über Sinn und Unsinn dieser Aktion möchte ich jetzt nicht reden. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, man hat einen Teil des Wocheneinkaufs hinter sich gebracht. Leider denken mittlerweile einige Menschen so und dadurch ist die Schlange an der Kasse länger als z.B. Montag Mittag. Naja, egal.
Irgendwann stehe ich vor dem Gemüse, greife zum Kopfsalat und überlege ob nun die Biotomaten aus Israel, oder die normalen Tomaten aus Holland ökologisch wertvoller sind. Ich entscheide mich für Holland, denn Israel scheint mir doch zu weit weg, als dass die Art des Anbaus die Ökobilanz noch retten könnte.
Mir gegenüber redet eine junge, sehr hübsche Frau auf den Blumenkohl ein. Ich bin ganz kurz irritiert, weiß aber natürlich, das sie in ihr Handy spricht, was in einer Jackentasche steckt und ihr Headset unter ihrer Mütze versteckt sein muss. Okay, so ist das eben. Auch im Auto sehe ich ständig Leute, scheinbar in Selbstgespräche vertieft, wie ich selber auch, wenn ich unterwegs telefoniere. Man gewöhnt sich an den Anblick, doch an den Inhalt kann ich mich häufig noch nicht so ganz gewöhnen.
Die Hübsche redet laut, vernehmlich und seelenruhig über einen männlichen Menschen aus ihrem Dunstkreis und bereitet vor dem Menschen am anderen Ende der Leitung und vor allen Menschen im Geschäft das Liebesleben, sowie alles Stärken und Schwächen des Beschriebenen aus. Dabei sammelte sie Obst, Gemüse und allerlei Sachen ein, beachtete NIemanden um sich herum und übersieht so auch viele irritierte Blicke, z.B. wenn sie Sätze sagte wie: „Ach ja, weißt du, der war ja schon immer so, auch vor Jahren schon. Der XXX kann halt nicht dafür, er ist eben schwierig…….“.
Ich war peinlich berührt. Das will ich nicht wissen, das hat in meinem Ohr nichts zu suchen. Wir alle kennen noch den kleinen Italiener, der vor Jahren mit dem dicken Knochen am Ohr, wichtig vor seinem Geschäft hin und her stolzierte. Das war pure Angeberei, darüber konnte man schmunzeln, über detailiert ausgebreiteten Liebeskummer, über sieben Stationen in der U-Bahn nicht.
Hier geht es nicht um Angeberei, sondern um Ignoranz. Diese Ohrterroristen nehmen ihre Umwelt nur in soweit wahr, als das sie für sie selber interessant oder wichtig ist. Sie denken entweder nicht über ihre Umgebung nach, oder ignorieren sie bewusst. Ich habe keine Ahnung wie das geht, aber ich bin immer wieder überrascht wie sehr sich diese Menschen für den Mittelpunkt der Welt halten, frei nach dem Motto: „Das ist doch mein Recht“.
Am liebsten hätte ich der Hübschen auf die Schulter geklopft und ihr gesagt, dass mich ihr Gelaber nicht interessiert, aber ich habe mich natürlich nicht getraut. Bäh, Feigling. Und die Anderen haben sich auch nicht getraut. Warum eigentlich nicht?
Auf dem Heimweg kam mir dann aber doch noch ein heiterer Gedanke. Schön wäre es gewesen, wenn nicht ich, sondern die Freundin des XXX ihr auf die Schulter geklopft hätte um sie zu fragen, was sie denn da erzählt. Das wäre der Brüller gewesen. Naja, vielleicht passiert ihr das mal irgendwann, dann wäre zumindest ein Ohrverschmutzer geheilt.
Balba

Dienstag, 1. Dezember 2009

Weihnachtsspargel


Es ist soweit, die Weihnachtsmärkte haben eröffnet. Vorbei die Zeit als es in Köln nur zwei Weihnachtsmärkte, einen am Neumarkt und einen am Altermarkt, gab. Dort traf man sich jeweils ein bis zweimal mit Freunden zum Glühwein, für den es selten kalt genug war in Köln und damit hatte man seinen Weihnachtsmarktbedarf gedeckt.

Alleine an großen Weihnachtsmärkten haben wir mittlerweile sieben oder acht in Köln. Meine Favoriten sind der kleine Markt am Rudolfplatz (selten voll) und der Mittelaltermarkt am Schokoladenmuseum, den habe ich ins Herz geschlossen. Damit wäre ich auch dieses Jahr wieder zufrieden. Doch angesagt ist, wer sich mit vielen hundert Menschen durch Bad Münstereifel, Monschau, Gummersbach, Pulheim, Kerpen oder Kommern, über einen wirklich heimeligen Weihnachtsmarkt schiebt auf dem es doch tatsächlich genau die gleichen Sachen zu kaufen gibt wie bei uns. Es bleibt auch die Frage offen, wann wir unser kuscheliges, mit Tonnen von teuren Dekorationen verziertes Zuhause genießen können und die ganzen Plätzchen backen wollen, denn wir müssen ja auch noch Geschenke kaufen, verpacken und verzieren und das Weihnachtsfest vorbereiten.

Okay, langsam schleicht sich hier ein zänkischer Unterton ein, ich merke es gerade. Es ist nur der Gedanke auch in diesem Jahr wieder kein perfektes Weihnachtsfest ausrichten zu können, wo die Großeltern und weitere vier bis acht Erwachsene – zumeist Geschwister mit Ehegatten – nebst ihrer zahlreichen Kinderschar an einem außerordentlich festlich gedeckten Tisch, unter einem üppig behangenem Weihnachtsbaum über Bergen von Geschenken in Festlicher Kleidung zusammen kommen um gemeinsam und harmonisch Kartoffelsalat mit Würstchen zu essen.
Was denn? Das stand letztes Jahr in jeder Zeitung, nämlich dass fast alle Deutschen, naja, zumindest ganz viele Deutsche an Heiligabend Kartoffelsalat mit Würstchen essen und deshalb haben das letztes Jahr auch ganz viele Leute gegessen. Es wurden noch nie so viele Knackwürste verkauft wie im letzten Jahr. Schade, denn dieser schöne Brauch ist nie bis Köln-Nippes gekommen. Bei uns gab es wahlweise: Kaninchen, Forelle Blau oder Reibekuchen mit Lachs. Kartoffelsalat mit Würstchen wurde bei uns zu Kindergeburtstagen oder an Karneval serviert.
Am Ersten Weihnachtstag werden die Verwandten besucht, die Heiligabend nicht mehr an die Tisch gepasst haben und spätestens am Siebenundzwanzigsten steigt man mitten in der Nacht mit der ganzen Familie ins Auto um in die Berge zu fahren. Natürlich in ein kleines Berghotel, mit Sauna, Wellness, Fitness und Kinderbetreuung. Der Skikeller ist hundert Meter vom Lift entfernt und die Sonne scheint bei klirrender Kälte.

Ungefähr gefühlte zweitausend Mal durfte ich folgende Situation erleben:
„Fahrt ihr zum Skilaufen dieses Jahr?“
„Nein, ich laufe nicht Ski.“
Irritierter Gesichtsausdruck, fragender Blick:
„Ich habe es als Kind nicht gelernt und als Erwachsener hat es mir keinen Spaß gemacht.“
Der erste Teil des Satzes geht noch in Ordnung, denn dafür kann ich ja nichts, aber mit dem zweiten Teil oute ich mich als durch und durch spaßfreier, ignoranter und dummer Mensch.
„Es hat dir keinen Spaß gemacht?“, fragen die Einen und drehen sich erschüttert weg.
„Du hattest bestimmt nur den falschen Lehrer. Du musste es unbedingt nochmal versuchen“, bleiben die Hartgesottenen am Ball. Ein tragischer Fall bleibe ich trotzdem. Und nein, ich werde es auch dieses Jahr NICHT wieder versuchen. Allerdings laufe ich gerne durch den Schnee, aber dafür reicht auch ein preisgünstiger Besuch in der Eifel.
Bleibt noch Sylvester. Aber Schwamm drüber, da sind wir auch nicht trendy und ich mag es garnicht näher ausführen. Zum Glück ist bald der erste Januar und ein neues Jahr liegt sauber und still wie frisch gefallener Schnee vor mir. Darauf freue ich mich immer am meisten, denn ich kann mir soviel tolles vornehmen und einfach alles besser machen als im letzten Jahr. Alles wird gut, bis……. ja bis mich im Frühjahr Jemand fragt: „Wie, du magst keinen Spargel?“

Bleibt locker, auch in der Weihnachtszeit
Balba