"frei"-berufler
Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....
Dienstag, 15. Dezember 2009
Biedermann gesucht!
Ausgerechnet diese Frauen der „Nach-Emanzipations-Ära“, für die Unterdrückung und Bevormundung durch den Mann Fremdwörter sind; die so selbstbestimmt leben können wie noch keine Generation vor ihnen, diesen Frauen tickt die innere Uhr so laut in den Ohren, das sie glauben sie hätten einen Tinitus.
Warum?
Ich glaube, viele Frauen machen es den Männern heute zu leicht. Ja wirklich! Was muss denn ein Mann heute noch bringen, außer ein paar Manieren vorrätig und einen einigermaßen ansehnlichen Job zu haben. Alles andere können Frauen alleine. Sie verdienen ihr Geld genauso selbstverständlich wie sie ein Regal aufbauen, bereisen die Welt alleine oder mit Freundinnen, fahren Porsche und erfüllen sich ihren Traum vom Fallschirmspringen. Ein Mann darf auf keinen Fall den Eindruck gewinnen sie seien von ihm abhängig, im Gegenteil, er soll sich frei fühlen und sich aus freien Stücken dafür entscheiden seiner Angebeteten zu Füßen zu liegen. Das tut der moderne Mann aber nur ungern, denn die Auswahl ist einfach zu groß und das Leben zu einfach.
Wollte ein Mann früher seinen Trieben nachgehen hatte das in jedem Fall Konsequenzen. Er musste Verantwortung für sein Tun übernehmen. Das braucht er heute nicht mehr. Kommt trotz Verhütung ein Kind auf die Welt, wird es von der Mutter alleine groß gezogen und das benötigte Geld verdient sich selbstverständlich auch alleine. Aber nicht nur in Sachen Nachwuchs ist er der Verantwortung entbunden. Auch das eventuelle Gefühlschaos das er hinterlässt ist ihm egal. Im Prinzip braucht er sich um nichts zu kümmern.
Ich kenne Frauen die ihren Prinzen gefunden haben, und seit dem damit beschäftigt sind das Leben zu organisieren. Sie kaufen und renovieren Häuser, Arbeiten Voll- oder Dreiviertel-Zeit. Organisieren, das komplette Privat- und Sozialleben, stellen Putzfrauen ein und feuern Kindermädchen, planen und buchen alle Urlaube, planen und organisieren die Ausbildung der Kinder, versorgen Hund, Katze, Maus, kleiden sich modisch aktuell, und verbringen einen Teil ihrer kargen Freizeit bei Friseuren und Kosmetikstudios um für den Prinzen begehrenswert zu bleiben. Und was macht der Prinz? Er kommt von einem langen, anstrengenden Arbeitstag, oder einer Dienstreise (mit ruhigem Schlaf ohne Kinder, aber mit Frühstücksbuffet und Fitnessraum etc.) nach Hause und muss sich erstmal ausruhen, beim Abendessen, was seine Frau noch schnell gekocht hat.
Der Prinz hat es richtig gemacht. Nach langem Zögern und Zaudern hat er sich das leistungsstärkste Weibchen seine Gattung heraus gesucht, die ihm ein angenehmes und gesellschaftlich anerkanntes Leben sichern kann. Sollte sie ihn eines Tages durchschauen, oder einfach nur schlapp machen, steht schon das nächste leistungsstarke Weibchen in den Startlöchern.
Hallo? Hört Ihr mich? War das das Ziel der Emanzipation? Jetzt haben wir nicht nur die gleichen Rechte wie die Männer, nein, wir übernehmen auch noch schnell ihren Lebenspart mit.
Einige junge Frauen haben es bereits erkannt und ich hoffe es werden im Laufe der Zeit immer mehr: Wenn ein Mann sich für eine Frau interessiert, dann sollte er nicht nur an ihrer Bettwäsche und den Annehmlichkeiten interessiert sein, die sie ihm bieten kann. Er muss Verantwortung übernehmen. Liebe Frauen, wartet nicht mit starrem Blick auf’s Handy auf seinen Anruf oder lasst euch viele Monate lang zum Horst machen. Sagt Sätze wie: Hey Süßer, ich könnte mich in dich verlieben, wenn du an einer Beziehung interessiert bist, dann bleib und wir versuchen es, wenn nicht dann geh sofort. Wenn du dich fürs Bleiben entscheidest, dann benimm dich auch so, sonst gehe ich sofort. Kein Hickhack, kein Gelaber, ja oder nein.
Ein sehr guter Freund von uns sagte letzte Woche in redseliger Bierlaune: Eigentlich sollten die Frauen sich viel schneller und häufiger in so Biedermänner wie mich verlieben, mit Haus, Garten, Mittelklassewagen, Fußballverein und Grillmeisterqualitäten, dann hätten sie viel weniger Sorgen.
Ein wirklich wahrer Satz. Seine Beziehung hält nun schon fast dreißig Jahre, das Kind ist gelungen, die Welt teilweise bereist, der Rasen gemäht, das Auto steht in der Garage und eine Frau (übrigens eine schöne, intelligente, smarte, humorvolle, gut ausgebildete, tolle Frau), die auch schonmal genervt ist von ihrem Gatten, sich streitet und manchmal hadert weiß aber, das er seine Pflichten kennt und sie über alles liebt.
Mal ehrlich, wollen das nicht die meisten der supertaffen Frauen? Ich glaube schon. Einen Mann der weiß was er will, weiß was er tut und Verantwortung für sich und die Menschen die er liebt übernimmt. Außerdem ist Brad Pitt schon vergeben.
balba
Dienstag, 8. Dezember 2009
Ohrhygiene

Montag Morgen, zehn nach Acht, bei ALDI. Über Sinn und Unsinn dieser Aktion möchte ich jetzt nicht reden. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, man hat einen Teil des Wocheneinkaufs hinter sich gebracht. Leider denken mittlerweile einige Menschen so und dadurch ist die Schlange an der Kasse länger als z.B. Montag Mittag. Naja, egal.
Irgendwann stehe ich vor dem Gemüse, greife zum Kopfsalat und überlege ob nun die Biotomaten aus Israel, oder die normalen Tomaten aus Holland ökologisch wertvoller sind. Ich entscheide mich für Holland, denn Israel scheint mir doch zu weit weg, als dass die Art des Anbaus die Ökobilanz noch retten könnte.
Mir gegenüber redet eine junge, sehr hübsche Frau auf den Blumenkohl ein. Ich bin ganz kurz irritiert, weiß aber natürlich, das sie in ihr Handy spricht, was in einer Jackentasche steckt und ihr Headset unter ihrer Mütze versteckt sein muss. Okay, so ist das eben. Auch im Auto sehe ich ständig Leute, scheinbar in Selbstgespräche vertieft, wie ich selber auch, wenn ich unterwegs telefoniere. Man gewöhnt sich an den Anblick, doch an den Inhalt kann ich mich häufig noch nicht so ganz gewöhnen.
Die Hübsche redet laut, vernehmlich und seelenruhig über einen männlichen Menschen aus ihrem Dunstkreis und bereitet vor dem Menschen am anderen Ende der Leitung und vor allen Menschen im Geschäft das Liebesleben, sowie alles Stärken und Schwächen des Beschriebenen aus. Dabei sammelte sie Obst, Gemüse und allerlei Sachen ein, beachtete NIemanden um sich herum und übersieht so auch viele irritierte Blicke, z.B. wenn sie Sätze sagte wie: „Ach ja, weißt du, der war ja schon immer so, auch vor Jahren schon. Der XXX kann halt nicht dafür, er ist eben schwierig…….“.
Ich war peinlich berührt. Das will ich nicht wissen, das hat in meinem Ohr nichts zu suchen. Wir alle kennen noch den kleinen Italiener, der vor Jahren mit dem dicken Knochen am Ohr, wichtig vor seinem Geschäft hin und her stolzierte. Das war pure Angeberei, darüber konnte man schmunzeln, über detailiert ausgebreiteten Liebeskummer, über sieben Stationen in der U-Bahn nicht.
Hier geht es nicht um Angeberei, sondern um Ignoranz. Diese Ohrterroristen nehmen ihre Umwelt nur in soweit wahr, als das sie für sie selber interessant oder wichtig ist. Sie denken entweder nicht über ihre Umgebung nach, oder ignorieren sie bewusst. Ich habe keine Ahnung wie das geht, aber ich bin immer wieder überrascht wie sehr sich diese Menschen für den Mittelpunkt der Welt halten, frei nach dem Motto: „Das ist doch mein Recht“.
Am liebsten hätte ich der Hübschen auf die Schulter geklopft und ihr gesagt, dass mich ihr Gelaber nicht interessiert, aber ich habe mich natürlich nicht getraut. Bäh, Feigling. Und die Anderen haben sich auch nicht getraut. Warum eigentlich nicht?
Auf dem Heimweg kam mir dann aber doch noch ein heiterer Gedanke. Schön wäre es gewesen, wenn nicht ich, sondern die Freundin des XXX ihr auf die Schulter geklopft hätte um sie zu fragen, was sie denn da erzählt. Das wäre der Brüller gewesen. Naja, vielleicht passiert ihr das mal irgendwann, dann wäre zumindest ein Ohrverschmutzer geheilt.
Balba
Dienstag, 1. Dezember 2009
Weihnachtsspargel

Alleine an großen Weihnachtsmärkten haben wir mittlerweile sieben oder acht in Köln. Meine Favoriten sind der kleine Markt am Rudolfplatz (selten voll) und der Mittelaltermarkt am Schokoladenmuseum, den habe ich ins Herz geschlossen. Damit wäre ich auch dieses Jahr wieder zufrieden. Doch angesagt ist, wer sich mit vielen hundert Menschen durch Bad Münstereifel, Monschau, Gummersbach, Pulheim, Kerpen oder Kommern, über einen wirklich heimeligen Weihnachtsmarkt schiebt auf dem es doch tatsächlich genau die gleichen Sachen zu kaufen gibt wie bei uns. Es bleibt auch die Frage offen, wann wir unser kuscheliges, mit Tonnen von teuren Dekorationen verziertes Zuhause genießen können und die ganzen Plätzchen backen wollen, denn wir müssen ja auch noch Geschenke kaufen, verpacken und verzieren und das Weihnachtsfest vorbereiten.
Okay, langsam schleicht sich hier ein zänkischer Unterton ein, ich merke es gerade. Es ist nur der Gedanke auch in diesem Jahr wieder kein perfektes Weihnachtsfest ausrichten zu können, wo die Großeltern und weitere vier bis acht Erwachsene – zumeist Geschwister mit Ehegatten – nebst ihrer zahlreichen Kinderschar an einem außerordentlich festlich gedeckten Tisch, unter einem üppig behangenem Weihnachtsbaum über Bergen von Geschenken in Festlicher Kleidung zusammen kommen um gemeinsam und harmonisch Kartoffelsalat mit Würstchen zu essen.
Was denn? Das stand letztes Jahr in jeder Zeitung, nämlich dass fast alle Deutschen, naja, zumindest ganz viele Deutsche an Heiligabend Kartoffelsalat mit Würstchen essen und deshalb haben das letztes Jahr auch ganz viele Leute gegessen. Es wurden noch nie so viele Knackwürste verkauft wie im letzten Jahr. Schade, denn dieser schöne Brauch ist nie bis Köln-Nippes gekommen. Bei uns gab es wahlweise: Kaninchen, Forelle Blau oder Reibekuchen mit Lachs. Kartoffelsalat mit Würstchen wurde bei uns zu Kindergeburtstagen oder an Karneval serviert.
Am Ersten Weihnachtstag werden die Verwandten besucht, die Heiligabend nicht mehr an die Tisch gepasst haben und spätestens am Siebenundzwanzigsten steigt man mitten in der Nacht mit der ganzen Familie ins Auto um in die Berge zu fahren. Natürlich in ein kleines Berghotel, mit Sauna, Wellness, Fitness und Kinderbetreuung. Der Skikeller ist hundert Meter vom Lift entfernt und die Sonne scheint bei klirrender Kälte.
Ungefähr gefühlte zweitausend Mal durfte ich folgende Situation erleben:
„Fahrt ihr zum Skilaufen dieses Jahr?“
„Nein, ich laufe nicht Ski.“
Irritierter Gesichtsausdruck, fragender Blick:
„Ich habe es als Kind nicht gelernt und als Erwachsener hat es mir keinen Spaß gemacht.“
Der erste Teil des Satzes geht noch in Ordnung, denn dafür kann ich ja nichts, aber mit dem zweiten Teil oute ich mich als durch und durch spaßfreier, ignoranter und dummer Mensch.
„Es hat dir keinen Spaß gemacht?“, fragen die Einen und drehen sich erschüttert weg.
„Du hattest bestimmt nur den falschen Lehrer. Du musste es unbedingt nochmal versuchen“, bleiben die Hartgesottenen am Ball. Ein tragischer Fall bleibe ich trotzdem. Und nein, ich werde es auch dieses Jahr NICHT wieder versuchen. Allerdings laufe ich gerne durch den Schnee, aber dafür reicht auch ein preisgünstiger Besuch in der Eifel.
Bleibt noch Sylvester. Aber Schwamm drüber, da sind wir auch nicht trendy und ich mag es garnicht näher ausführen. Zum Glück ist bald der erste Januar und ein neues Jahr liegt sauber und still wie frisch gefallener Schnee vor mir. Darauf freue ich mich immer am meisten, denn ich kann mir soviel tolles vornehmen und einfach alles besser machen als im letzten Jahr. Alles wird gut, bis……. ja bis mich im Frühjahr Jemand fragt: „Wie, du magst keinen Spargel?“
Bleibt locker, auch in der Weihnachtszeit
Balba
Montag, 23. November 2009
Mops und Spargel

Am Samstag sah ich ein aktuelles Foto von mir und rief spontan aus: „Ich sehe ja wieder aus wie meine Cousine.“ Mein Mann widersprach mir nicht. Meine Cousine und ich sehen uns schon seit der Kindheit so ähnlich, dass wir immer für Schwestern gehalten werden. Zwischenzeitlich war unsere Ähnlichkeit etwas in den Hintergrund getreten, da meine Cousine ihrem genetischen Programm schneller folgte als ich und mir daher einige Kilos voraus war. Die habe ich jetzt wohl eingeholt, das Gleichgewicht ist wieder hergestellt und wir sehen wieder aus wie Schwestern. Das mit den Schwestern ist für uns Einzelkinder eine schöne Sache, zumal wir uns auch innerlich sehr verbunden fühlen, aber viel lieber wären wir zwei schlanke Schwestern.
In unsere Familie gibt es Möpse (väterliche Seite) und Spargel (mütterliche Seite). Die Spargel sind nicht etwa schlauer, kreativer, weltgewandter, schöner oder verfügen über mehr Disziplin als wir, nein, sie sind einfach anders programmiert. Meist Bauern, teilweise schon in der vierten Generation, zäh, stark, immer hungrig und trotzdem schlank. Meine Mutter konnte enorme Mengen fetter, kalorienreicher Nahrungsmittel vertilgen und hatte trotzdem immer das Problem ihr Gewicht zu halten und nicht noch dünner zu werden. Kann man sich das vorstellen? Als geborener Mops nur schwer. Mein Vater war ein Mops reinen Blutes. Sein Jahr teilte sich ein in Diäten z.B. vor und nach Weihnachten, dem Sommerurlaub, Karneval, Ostern, Pfingsten etc. Es gab einfach zuviele wunderbare Gelegenheiten sich den Bauch voll zu schlagen, dazu ein kühles Bierchen und ein Nachmittags ein Stückchen Kuchen. „Von nix kütt nix“, sagt der Kölsche. Man wird schließlich nicht vom Hingucken dick.
Es ist einfach ungerecht, jeder Mops wäre gerne dünn und so gut man sich auch mit seinem Mopssein arrangiert, man wird den Spargeln immer einen kleinen, neidvollen Blick zuwerfen. Und das schlimmste ist, die Spargel denken: Na dann esst doch nicht so viel. Das denkt mein Mann (Spargel) übrigens auch, obwohl er den Mops als solchen liebt, ihn aber die Jammerei zuweilen nervt. Er spricht es allerdings nicht mehr aus, da sonst eine Bratpfanne auf seinem Kopf landen könnte.
Was bleibt dem Mops also übrig? Er muss kämpfen, seinen Hunger mäßigen, seine Kleidergröße den Körperformen anpassen (niemals zu enge Klamotten tragen, das macht noch dicker) und sich bewegen, bewegen, bewegen und ab und zu mal ein bisschen jammern, so wie ich jetzt, aber nicht zu viel. Lieber noch eine Extrarunde um den Block laufen, das beruhigt das Gewissen und einmal im Jahr nach Amerika fahren, ins Land der unbegrenzten Möpse. Da wirkt man so schön schlank.
Schokoladige Grüße
Balba
Donnerstag, 19. November 2009
Meine kleine Horrorshow

Es war alles in Ordnung als ich den Laden betrat. Ich war gut gekleidet und auch das Make up hielt noch Stand, einziger Makel war meine Frisur. Bei einem Kurzhaarschnitt ist nach sieben Wochen die Fasson raus, daher mein gestriger Besuch beim Friseur.
Freundlich begrüßt konnte ich gleich durchgehen zu den Waschbecken. Schön war die Kopfmassage und mit Turbanhandtuch wurde ich zu meinem Platz geführt und dort begann die Horrorshow. Trocken gerubbelt und vom Handtuch befreit sah ich aus wie seinerzeit Mecki aus der Hörzu, alle Haare standen mir zu Berge und meine linke Augenbraue war ganz wuschig. Schnell kämmte die nette Friseurin durch meinen Schopf, Scheitel nach links, rosa Klämmerchen rechts, Scheitel nach rechts, blaues Klämmerchen links und so weiter. Was mir im Spiegel entgegen blickte glich einem mit Rock verkleidetem und geschminktem Mann.
Feine Härchen verteilten sich über meinem Gesicht wie schnell wachsende Barthaare und klebten an der Tagescreme fest. „Ohje, die Härchen“, sprach die Friseurin und verteilte die ganze Pracht mit einem Handtuch gleichmäßig über mein Gesicht. Mittlerweile sah auch die rechte, am Morgen sorgfältig gebändigte Augenbraue wuschig aus. Endlich waren alle Haare ab und ich wurde wieder zum Waschbecken geführt um die restlichen Härchen auszuspülen. Wieder mit Turban zum Platz zurück, Hokus Pokus und Mecki war wieder da, diesmal mit Bart.
Schräg gegenüber hatte es sich ein Mann mittleren Alters auf einem Stuhl bequem gemacht. Selber nicht sonderlich attraktiv (aber welchen Mann hätte das jemals gestört) linste er mit unverhohlenem Schrecken zu mir rüber. Ich versuchte ihn zu ignorieren und konzentrierte mich auf mein Spiegelbild in dem gerade meine Haare geföhnt wurden. Sie hat sich bestimmt verschnitten, ging es mir durch den Kopf, denn ich konnte immer noch keine gescheite Frisur erkennen. Aber nein, sie hatte – wie immer – alles richtig gemacht und als ich mit frisch gepuderter Nase und perfekt gestyltem Kopf in meinen Mantel schlüpfte, atmete auch der mittelalte Typ fast hörbar aus.
Geschafft! Bis zum nächsten Mal.
Balba
Donnerstag, 12. November 2009
Sexbombe

Sie ist klein, blond, drall, heißt Susi und ist unglaublich knuddelig. Sie ist die Marilyn Monroe vom Adenauer Weiher. Männer, also Rüden kommen nicht an ihr vorbei. Täglich werde ich gefragt ob sie läufig sei, doch sie ist seit einem halben Jahr kastriert (ja, das heißt auch bei Mädchen so).
Alles fing vor eineinhalb Jahren an, als unsere Malteserhündin zum ersten Mal läufig wurde. Nicht genug damit, dass dieses kleine weiße Wollknäuel auch die Herzen der härtesten Hundehasser mit ihrem Charme spielend bricht, ich hätte auch – ganz nach Rattenfängermanier – alle männlichen Stadtwaldhunde (zum Schrecken der Stadt Köln, die denn keine Strafen mehr kassieren könnte) mit Susi aus der Stadt führen können. Auch als sie längst nicht mehr läufig war, liefen wir selten ohne männliche Begleitung durch den Park. Wir gingen Nebenstrecken und schlichen durchs Unterholz, aber die Jungs fanden uns immer. Schweren Herzens und weil ich es mir nicht mit allen Hundebesitzern verscherzen wollte, brachte ich sie zum Arzt zur Operation, obwohl ich ihr wenigstens einen Wurf gegönnt hätte. Allerdings meinte der mit mir verheiratete Mitbewohner, er würde ein weiteres Zusammenleben in einem solchen Fall nochmal überdenken, da ich mich wahrscheinlich von keinem dieser kleinen Kuscheltiere getrennt hätte. Hmm, naja, einen hätte ich vielleicht noch behalten.
Nun fehlt ihr der lockende Duft und eigentlich dürfte sie für Rüden nicht mehr interessant sein, aber ihre Anziehungskraft ist weiterhin ungebrochen. Ist es die neckische Haltung ihres strubbligen Ringelschwänzchens, oder sind es die kleinen Hüpfer, die sie alle paar Schritte macht, so als hätte sie einen Schluckauf wobei beide Hinterbeine gleichzeitig nach oben hüpfen? Sehr anziehend ist auch ihre Art das linke Ohr so nach hinten zu legen, als würde sie die Augenbrauen hochziehen. Was auch immer es ist, wegen unserer kleinen Sexbombe haben sich erst gestern wieder zwei Rüden ordentlich in die Wolle gekommen und eine Hundebesitzerin sagte tatsächlich: "Nun nehmen Sie mal ihren Hund weg, dass ist das Schätzchen von meinem Hund."
Ich weiß nur eins, sollte meine Tochter in sechs bis sieben Jahren ähnliche Anziehungskräfte entwickeln wie unser Hund, dann ziehen wir auf eine einsame, unbewohnte Insel.
Liebe Grüße
Balba
Montag, 9. November 2009
Selbstvermarktung

Optimistisch war ich deshalb, weil ich bei meiner letzten Bewerbungsaktion vor zehn Jahren beste Erfahrungen gemacht hatte. Von zehn Bewerbungen, wurde ich zu acht Vorstellungsgesprächen eingeladen und konnte zuletzt unter drei Stellen wählen. Nach der Schwangerschaft konnte ich nicht zurück an meinen Arbeitsplatz, da wir für eine neue Arbeitsstelle meines Mannes von Nürnberg nach Köln zogen.
Und heute? Von fünfzehn Bewerbungen bekam ich fünfmal keine Antwort und die restlichen zehn Absagen kamen fast schneller als die Post sie ausstellen konnte. Unter einer Bewerbung stand:
Mit freundlichen Grüßen
Erika Müller
(Azubi)
Ah, ja, ich weiß das Absagen häufig von Azubis, nach Anweisung geschrieben werden, aber muss das auch drunter stehen. Da fühlt man sich wie der letzte Husten, oder? Schlechter Stil!
In einer Absage stand:
Wir bedauern, dass ihre PC-Kenntnisse nicht für unser Arbeitsprofil ausreichen.
Hm, diese Aussage erweckt in mir den Verdacht, dass der zuständige Personalmensch nicht über Bild, Alter und Familienstand hinaus gelesen hat. Es wurden gute PC-Kenntnisse verlangt, okay und meinem Lebenslauf kann man u.a. entnehmen: Trainerin für MS Office (alle gängigen Programme), SAP Kenntnisse und Aufbau der Homepage einer Privatbank. An welche PC-Kenntnisse hatten die Stellenvergeber denn wohl gedacht? Programmierung des NASA-Computers?
Also, ich will mal hier nicht zickig sein, aber etwas merkwürdig ist die Sache schon. Meiner Meinung nach sind wir Frauen über vierzig so erfahren und belastbar wir nie zuvor in unserem Leben, warum möchte da kein Firmenchef von profitieren?
Eine sehr gute Freundin, ebenfalls Mitte vierzig, musste vorletzte Woche nach der Pleite und Flucht ihres Mannes den Gang zum Arbeitsamt antreten. Ihre Wohnung ist 200 Euro zu teuer um Wohngeld zu erhalten und Harz IV gibt es auch nur, wenn sie sich auf alle Stellenangebote der Agentur bewirbt. Am Freitag bekam sie sechs Stellenangebote, alles Callcenter-Stellen in Vollzeit, mit der Maßgabe bis Montag (zum nächsten Termin) alle Bewerbungen geschrieben zu haben, da sonst kein Geld angewiesen werden könnte. Auf den Einwand, sie habe ein Kind, das lediglich bis 16 Uhr betreut würde, gingen die Arbeitsvermittler nicht ein. Dann solle sie eben für eine längere Betreuung sorgen.
Wir sind ein Sozialstaat und hier muss niemand verhungern, das haben wir vielen anderen Ländern voraus, aber der Fall kann ganz schön tief sein, insbesondere für mittelalte Frauen, die im Vertrauen auf ihren Partner ihren Arbeitsplatz zu Gunsten der Kinder aufgegeben haben. Dumm gelaufen.
Uns bleibt die Selbstvermarktung. Netzwerke aufbauen, sich im Internet präsentieren, Blogs schreiben, Produkte bei Dawanda.de verkaufen, oder wie besagte Freundin, ihren Nebenberuf als Kosmetikberaterin zum Vollzeitjob ausbauen. So kann sie sich wenigstens noch einigermaßen um ihre Tochter kümmern und verdient mehr als mit jedem Callcenter-Job, hoffentlich. Eine Nachbarin arbeitet als Physiotherapeutin, Fitnesstrainerin und Suchtberaterin (zwei Kinder), eine Andere steht morgens beim Bäcker hinter der Theke, engagiert sich in der Schule und gibt Schwimmunterricht (ein Kind). Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen und es handelt sich hier nicht um ungelernte Mütterchen, sondern um fitte, leistungsfähige, engagierte Frauen die keine andere Wahl haben als sich durch die Jobs zu hangeln.
Dazu kommen noch die Mütter, die nach der Geburt ihrer Kinder wieder zurück zu ihrer Arbeitsstelle gegangen sind, es ihnen dort aber schon lange nicht mehr besonders gut gefällt. Sie bleiben bei ihrem Arbeitgeber, weil sie keine Alternative mehr bekommen.
Hier wird ein riesiges Potential an produktiver Arbeitskraft, an Knowhow und Kompetenz verschenkt. Bedauerlich!
Ich wünsche allen mittelalten Mamas Glück und Erfolg.
Balba
Mittwoch, 4. November 2009
Ovi

Vor vielen, vielen Jahren erzählte mir eine damals sehr junge Kollegin, sie hätte lange gespart und sich endlich die ersehnte Overlockmaschine für über tausend Mark gekauft. Ich war sprachlos und dachte: Hat die einen an der Waffel, für tausend Mark würde ich mir aber ganz andere schöne Sachen kaufen. Nun, die Zeit vergeht, der Mensch wird schlauer (oder verrückter, wer weiß), die Nähmaschinen preisgünstiger und seit gestern steht hier neben meinem Schreibtisch eine nagelneue Overlockmaschine. Juuuuubel.
Handarbeiten sind unser Familienfluch. Alle meine Tanten, die Oma und überhaupt fast jedes weibliche Wesen, einschließlich meiner Mutter, saßen selten ohne eine Handarbeit einfach nur rum. Beim Ratschen oder Fernsehen konnte man schließlich nebenbei noch schnell zwanzig Paar Socken für Nikolaus, oder eine Häckeldecke für den Esstisch fertigen. Stand ein festliches Ereignis an, wurde mal flott ein Kleid maßgeschneidert und hatte man mal keine Idee: ein Schal auf Vorrat oder ein paar Topflappen aus Wollresten gingen immer. Einfach nur rumsitzen galt als langweilig. Eine kleine Handarbeit habe ich natürlich auch immer in Arbeit, aber dann entdeckte ich letztes Jahr das Nähen wieder neu. Es war, als hätte ich eine alte Freundin wiedergefunden. Nach und nach zogen eine Näh-, eine Stick- und gestern eine Overlockmaschine in unser Haus ein. Unser Büro mutierte zu einem kleinen Nähatelier, mit einer Menge an Stoffen, Bändern, Knöpfen, Schnittmustern und aller Art von Zubehör.
Wenn ich weiß, dass ich ungestört zwei oder drei Stunden an meiner Nähmaschine verbringen kann, ist das für mich das Paradies, die pure Entspannung. So wie für andere Leute Yoga, oder Tai Chi. Einen Stoff zu fühlen, die passenden Accessoires auszusuchen, das Zuschneiden und Nähen und zuletzt das fertige Objekt anzusehen ist wirklich ein sinnliches Vergnügen.
Ihr haltet mich für verrückt, gell? Egal, ich wünsche jedem Menschen ein Hobby, oder noch besser einen Beruf der ihr/ihm so viel Freude macht. Wenn das jeder hätte, wären die Psychiater bald arbeitslos.
Ich wünsche Euch einen schönen Tag
balba
Samstag, 31. Oktober 2009
Gruselfest

„Hee, wieso denn nicht?“
„Ja, viele Eltern sind ja total dagegen.“
Da muss ich wirklich mal tief Luft holen. Was gibt es denn da dagegen zu sein? Natürlich ist das Fest (ursprünglich aus Irland stammend) aus den USA zu uns rübergeschwappt; natürlich verdient sich eine Kostüm- und Scherzartikelindustrie ein goldenes Näschen daran, aber was soll’s? Wir sind in Köln, hier beginnt am 11.11. der Karneval, da kommt es doch auf eine Woche nicht an. Außerdem kann man die Kostüme auch wunderbar an Weiberfastnacht tragen, Hexen gibt es dann auch genug und zu guter Letzt - ihr Lieben Moralapostel der Abendländischen Kultur - die Kinder haben einen riesen Spaß daran und den hätten wir als Kinder auch gehabt.
Ganz nebenbei kann ich erwähnen, dass wir schon ein kleines Vermögen für Laternenstangen (die verschwinden nämlich immer übers Jahr spurlos), Laternenbastelzubehör und sonstigen Killefitz ausgegeben haben für unser schönes, urdeutsches Sankt Martins Fest.
So, jetzt habe ich das mal gesagt und wenn jetzt noch Jemand über Halloween meckern möchte, dem empfehle ich Erinnerungstropfen um sich an all die Dinge zu erinnern, die wir als Kinder so toll fanden. Meines Wissens sind McDonalds, HubaBuba, Rollschuhe, Softeis und Coca Cola keine deutschen Erfindungen.
Süßes oder Streich
balba
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Krachmacherstrasse

Was ist da schiefgelaufen in der Evolution?
Ich bin ein Technikfreak, ehrlich. Ich liebe technischen Schnickschnack und gehöre zu den sogenannten Frühbenutzern. Ich kann eine Homepage basteln, eine Küchenmaschine bedienen und meinen Fernseher programmieren. Besitze ein E-Book und ich finde viele technische Errungenschaften wirklich sinnvoll und Arbeitserleichternd. Aber der Sinn und Zweck dieser Blätterpuster will sich mir nicht erschließen.
Als ich zur Schule ging, machte sich zur Herbstzeit der Hausmeister unseres Wohnblocks jeden Morgen ans Werk, kehrte die Blätter zusammen, nahm eine große Kehrschaufel und einen Handbesen und schaufelte die Blätterhaufen in große Säcke die dann von der Müllabfuhr mitgenommen wurden. Sicher keine schöne und auch eine anstrengende Arbeit. Aber was bringt es Blätter an den Rand der Straße zu pusten und sie dort liegen zu lassen. Der nächste Windstoß mischt sie wieder schön durch und der Blätterpuster ist weitere drei Stunden beschäftigt.
Meine ganz persönliche Theorie geht dahin, dass der Mann das eigentliche Problem ist. Einen Besen zu schwingen ist bei weitem nicht so männlich wie mit einer Höllenmaschine durch die Wohngebiete zu ziehen. Das ist fast wie die Kalaschnikow unterm Arm, das gibt Macht, das macht Spaß, und das macht Lärm. Der Junge hat was zum Spielen. Blätter? Was sind nochmal Blätter?
balba
Siebenjahreskolik

Soweit die Theorie. Mein Kind schrie nicht, war brav, schlief ruhig und friedlich, wollte einmal in der Nacht ein Häppchen trinken und schlief dann wunderbar wieder ein. Ich Glückkeks.
Aber in keinem, aber auch wirklich keinem Ratgeber stand etwas davon, dass die Schreierei auch erst im schulpflichtigen Alter anfangen kann.
Ein Beispiel, bzw. ein Tag im Leben von Emma und Barbara B. aus K.:
Mäuschen, aufstehen.
Neeeee, ich bin noch so müde.
Ich auch, aber es nützt nichts. Aufstehen!
Nee, ich stehe nicht auf.
Du musst aber in die Schule
Ich gehe nicht in die Schule
Das diskutieren wir nicht. Steh auf und komm frühstücken.
Neeeiiiiin, ich komme nicht.
Dann gehst du eben hungrig in die Schule
ICH GEHE NICHT IN DIE SCHULE!!!!!!!!
Nach dem Frühstück:
Anziehen.
Ich ziehe mich nicht an.
Warum nicht?
Anziehen ist langweilig.
Ja und? Dann gehst du eben im Schlafanzug in die Schule.
ICH ZIEHE MICH NICHT AN UND ICH GEHE NICHT IN DIE SCHULE!!!!!!!!
Nun, dieser kleine Dialog ließe sich noch zwei bis sieben Seiten fortführen und würde dabei Themen wie: Hausaufgaben, Aufräumen, zu Bett gehen etc. streifen. Es ist laut und es ist anstrengend. Ich nenne es die Siebenjahreskolik, die eindeutig länger als drei Monate dauert. Umtauschen geht jetzt nicht mehr, naja, wollen wir ja auch nicht, denn zwischen den Schreianfällen ist ja immer noch unser süßes Mäuschen.
Grüße
Balba
Mittwoch, 28. Oktober 2009
Lach mal!

Vor ein paar Tagen rannte ich durch unser Einkaufscentrum. Meine Tochter geht gegenüber in die Singschule und ich nutze die dreiviertel Stunde um im Schweinsgalopp meine Besorgungen zu erledigen. Ich renne also so vor mich hin, kaufe, erledige, mache und tue und komme zuletzt am Discounter vorbei, sehe die Kasse ist fast leer und beschließe noch etwas Käse und Milch mitzunehmen. Ich renne also zur Kühltheke, schnappe meine Ware, renne zur Kasse und – Pesch gehabt, jetzt stehen sieben Leute vor mir. Ich habe somit Zeit auf den Teppich zu kommen und schaue mir die Menschen vor mir an. Eine junge Frau mit wilden, dicken, schönen schwarzen Locken kramt ihre letzten Centstücke aus ihrer Börse und atmet erleichtert auf, dass sie ihre drei Warenteile tatsächlich noch bezahlen kann. Die Meute hinter ihr wird schon unruhig, der Azubi (steht auf seinem Namensschild) an der Kasse bleibt erstaunlich ruhig, ist aber alles andere als fröhlich. Danach zahlen hintereinander zwei ziemlich verranzte junge Typen. Der eine schläft beim Bezahlen fast ein, der zweite guckt böse vor sich hin.
Mit jedem Kunden wächst mein Mitleid mit dem Jungen an der Kasse. Muss der sich den ganzen Tag nur lange, missmutige Gesichter ansehen? Ist wirklich jeder nur noch mit sich selber beschäftigt? Endlich bin ich dran, Käse und Milch werden über den Scanner gezogen, der Kassierer schaut mich an und sagt den zu zahlenden Betrag, ich strahle ihn mit meinem freundlichsten Lächeln an und sage erst „Hallo“ und als ich gehe auch noch „tschüss“.
Dieser Blick sprach Bände. Bei einem Alien an der Kasse hätte er nicht anders geschaut. Vielleicht hat er sich aber auch eine Sekunde lang gefreut, dass mal jemand nett zu ihm ist. Wer weiß?
Ich rate zum mehr Lächeln, tut nicht weh, kostet nichts und bringt evtl. sogar Freude.
Liebe Grüße
balba
Was ist los?
Aber ich blieb dran. Wieder eine „wahre“ Dokumentation über vernachlässigte, gepeinigte Kinder und wann das Jugendamt einschreitet oder nicht. Was ist los mit unserer Gesellschaft? Ich staune immer wieder ratlos über die diversen Phänomene unserer Zeit bzgl. kleiner Kinder die in ihrer Entwicklung extrem zurück geblieben sind, weil niemand mit ihnen spricht und sie niemand in den Arm nimmt, oder mit ihnen spielt, oder ihnen irgendwas erklärt. Ich staune über dicke Kinder die noch nie eine normal gekochte Kartoffel gegessen haben, nur Kartoffeln in Form von Pommes, Kroketten, Chips etc. und ich staune über die wachsende Gewalt in den Familien.
Nein, ich fange jetzt nicht damit an, dass früher alles besser war. War es nicht und geschlagen wurde früher noch häufiger als heute. Vieles blieb damals im Dunklen und wir können nur spekulieren, wenn wir es nicht selber erlebt haben. Ich komme aus einer Arbeitergegend, kleiner Mittelstand, es reichte immer irgendwie, aber man konnte niemals reich werden. Vielleicht hätte meine Mutter mich auch häufiger vor dem Fernseher geparkt, wenn es mehr als drei Programme gegeben hätte, die nicht erst um 17 Uhr anfingen zu senden. Vielleicht hätte ich mehr Fastfood bekommen, wenn es mehr gegeben hätte als Eierravioli in Tomatensauce aus der Dose. Wer weiß? Aber meine Mutter hatte keine Wahl: Sie musste kochen und weil ihr das auch noch Spaß machte, zumindest meistens, gab es immer was Leckeres auf den Teller. Freitags gab es Fisch, samstags Eintopf, sonntags Braten und Kuchen und Weihnachten selbstgemachte Plätzchen. Meine Mama war keine Supermama, sie tat nur das was alle machten. Sie war zu Hause und kümmerte sich um die Familie, obwohl sie viel lieber arbeiten gegangen wäre. Sie hat geraucht wie ein Schlot und gerne was getrunken. Es war nicht immer leicht bei uns, aber es wurde viel gelacht und vor allen Dingen viel erzählt. Sonntags wurde im Bett geknuddelt, es gab keine häusliche Gewalt, es war sauber und ab meinem vierten Lebensjahr war ich, so oft ich durfte, mit meinen Freunden auf der Straße.
Vor einiger Zeit traf ich auf einem Geburtstag, nach mehr als dreißig Jahren, einen Mann, der mit mir in der gleichen Straße aufgewachsen war, ähnliches Elternhaus, gleiches Milieu. Wir brauchten einen Moment um uns einzuordnen und dann freuten wir uns riesig und erzählten uns alte Geschichten und zum Schluss sagte er: „Mensch, hatten wir nicht eine schöne, unbeschwerte Kindheit?“
Nun, vielleicht hat er es ein wenig verklärt mit den Jahren, aber an meine Zeit auf der Straße mit all den anderen Kindern habe ich auch nur die besten Erinnerungen.
Genug der Nostalgie. Was geht denn heute schief? Liegt es wirklich nur am Fernsehen, Computer und Fastfood, dass die Kinder aus Prekariat (Neudeutsch für Assis, Arme, Arbeitslose etc.) weniger Chancen in der Gesellschaft haben als vor vierzig Jahren? Dabei hat sich doch so viel verbessert. Wir haben die Schulpflicht (Zum Vergleich: Nur 2% der Weltbevölkerung kann eine Schule bis zum Abitur besuchen), für jedes Kind einen Kindergartenplatz ab dem dritten Lebensjahr, eine – im Vergleich zur Weltbevölkerung – spitzenmäßige Gesundheitsversorgung und kein Mädchen muss mehr ungewollt als Teenager schwanger werden, weil es heute Aufklärungsunterricht gibt, in jedem Supermarkt Kondome hängen und es im Gegensatz zu den siebziger Jahren kein Problem mehr ist an die Pille zu kommen. Aber all das scheint nur das Gegenteil zu bewirken. Immer mehr Mädchen werden im Teeniealter schwanger, viele Kinder können kaum sprechen wenn sie in die Schule kommen, an lesen und schreiben ist da nicht zu denken. Väter schleudern ihre Kinder an die Wand, weil sie sich bei „World of Warcraft „ gestört fühlen und Mütter rufen Händeringend nach der Super-Nanny.
Was können wir tun? Augen und Ohren offen halten. Nicht wegsehen. Und bestimmt gibt es die Möglichkeit ehrenamtlich zu helfen, wenn man die Zeit und die Kraft dafür übrig hat. Ich werde mich erkundigen.
Balba
Ausmisten

Vieles verbindet uns Frauen, auch der Hang längst Unbrauchbares in unseren Kleiderschränken zu horten. Vernünftige, kluge, witzige, wunderbare, aufgeräumte Frauen finden sich zuweilen in ihrem Kleiderschrank nicht mehr zurecht, weil da einfach viel zu viel hängt. Viel zu viel altes Gelump. Jawohl. Und ich trenne mich: JETZT!
Jahrelang habe ich bestimmt Kleidungsstück von links nach rechts geschoben, wovon sie weder schöner noch tragbarer wurden. Ab heute gelten für die Entsorgung von Kleidung folgende Regeln:
1. Was nicht mehr passt fliegt raus.
Seien wir ehrlich und ganz tapfer. Meine letzte erfolgreiche Diät liegt mind. sechs Jahre
zurück und seit dem ist meine Kleidergröße kontinuierlich gestiegen. Noch nie habe ich mich
in ein Kleidungsstück zurück geschrumpft. Das heißt, doch vor sechs Jahren. Die ganzen
tollen Sachen die ich alle aufbewahrt hatte und die mir dann wieder passten waren total
unmodern.
Also, was soll‘s. Was mir jetzt nicht passt, passt mir zu 99% auch nicht im nächsten Jahr und
wenn doch, mag ich es wahrscheinlich nicht mehr tragen. Mein Kleiderschrank lichtet sich
merklich.
2. Schlechte Qualität fliegt raus.
Sich knubbelnde Wollpullover, verwaschenes, gar noch mit Waschpulverresten versehenes, aus der Form gegangenes muss weg. Was nützt der gut sitzende Lieblingspulli, wenn er aus der Nähe betrachtet total ungepflegt wirkt. Einige Winterpullover werden mich heute verlassen.
3. Falsche Farben fliegen raus.
Ich habe einen Hang zu Flieder. Keine Ahnung warum, ich mag diese Farbe einfach sehr gerne, aber sie steht mir nicht. Ich sehe damit aus wie Oberschwester Hildegard in der Arktis. Ein Pulli und ein T-Shirt müssen daher gehen.
4. Was nicht zu meinem Stil passt fliegt raus.
Gut wenn man seinen eigenen Stil kennt, ich tappe da auch noch dann und wann im Dunkeln. Aber im Laufe meines Lebens hat sich herausgestellt, dass ich kein Typ für Rüschchen bin. Immer alles schön glatt und gerade. Eben gerade, klassische Schnitte, Erdfarben, Schwarz, Lila, Koralle, kein Schnickschnack, eher ein auffallendes Accessoires. Und, ja, auch nicht zu jugendlich. Ich meine, ein zu kurzes T-Shirt über einer Speckrolle sieht mit achtzehn genauso doof aus wie mit achtunddreißig, aber manches Kleidungsstück hat auch ganz klar sein zeitliches Limit, sonst macht es eher alt als das es jugendlich wirkt.
Wie allerdings dieses rosa-gerüschte T-Shirt mit kleiner Spitze meinen Schrank geraten ist, erschließt sich mir nicht. Das war ich nicht, das muss eine meiner diversen anderen Persönlichkeiten gewesen sein.
Soweit die Regeln und wisst ihr was, es fällt mir ganz leicht, so leicht wie noch nie. Ich kann es selber kaum glauben. Ein Schrank ist schon komplett aufgeräumt und fast leer und ich fühle mich befreit.
So, und nun noch ein Wort zu den Kleidungsstücken in die man wieder rein passen möchte. Die zweite Hälfte meines Lebens wird NICHT von Schönheitsdiktaturen geprägt werden. Ich steige aus. Natürlich wäre ich gerne schlank, bin ich aber nicht. Weder stopfe ich den ganzen Tag Lebensmittel in mich hinein noch sitze ich dabei unbeweglich vor der Glotze. Ich treibe regelmäßig Sport, zapple den ganzen Tag irgendwie rum, renne hierhin und dorthin und esse sehr gesund. Allerdings auch gut und gerne (und ähm, nicht wenig nehme ich an) und ich trinke gerne Wein. So ist das eben. Und seit ich nicht mehr Rauche um so mehr. Ich war nie eine Elfe und werde auch keine mehr werden. Es soll nur nicht aus dem Ruder laufen. Ich werde mein Gewicht halten und in meinem Kleiderschrank werden sich nur noch Sachen befinden, die mir wirklich passen und keine Sachen die mir evtl. mal irgendwann gepasst haben könnten, oder wieder würden und die mich dann einen ganzen Tag lang quälen und zwicken bis ich sie am Abend entnervt in die Ecke pfeffere.
Nein, nein, damit ist jetzt Schluss.
Viele Grüße
Eure Balba
Montag, 26. Oktober 2009
Frauenpoweralleskönner
Jetzt bin ich arbeitslos! Fluch oder Segen? Bisher war ich der Hamster im Laufrad, stellvertretend für viele viele Frauen zwischen Dreißig und Fünfzig die mit Siebenmeilenstiefeln durchs Leben jagen.• Sechsuhrdreißig aufstehen
• Frühstück machen
• Kind wecken
• Anziehen
• Kind antreiben, anziehen, motivieren, anbrüllen, aus-dem-Haus-treiben, Hund-aus-führen
• Aufräumen
• Büro
• Zwischendurch, wenn es geht noch ein paar private Mails und Telefonate erledigen. Nur das
Dringendste, da wo das Schlechte Gewissen schon piekt.
• Mittagessen
• Evtl. schnell noch einkaufen
• Hund ausführen
• Haushalt
• Kind aus der Schule holen
• Hausaufgaben kontrollieren
• Kind zum Tanzen, singen, turnen, zur Freundin, zum Zahnarzt, zum Friseur, zum Optiker oder zum
Mond fahren
• Auf dem Rückweg noch ein paar Brötchen kaufen
• Abendessen
• Kind ins Bett bringen, schimpfen, betteln, knuddeln, vorlesen
• Nochmal kurz an den PC
• Sofa, puuhhhh
• Ach nee, Mann möchte auch noch gehört, gelobt und gepflegt werden.
Und DAS fünf Tage die Woche. Vielleicht mit noch einer Abendverabredung, denn man muss ja auch mal die Freundinnen treffen, oder ins Kino gehen, oder zum Elternabend, oder sonstwas. Am Wochenende geht es denn weiter. Samstags Großeinkauf, Putzen, räumen, Dinge erledigen, abends Freunde treffen. Sonntag was unternehmen, Großeltern oder Freunde treffen und am Montag klingelt um hab sieben der Wecker.
Sofern mein Mann zu Hause ist, hilft er sehr im Haushalt mit und wir versuchen die Redestatistik von Ehepaaren (drei Minuten täglich) zu erhöhen, indem wir zusammen Frühstücken und Abendessen und häufig erstmal etwas bereden, bevor wir den Fernseher anmachen. (Schon ganz schön löblich, finde ich.)
Dazu kommen zweimal im Jahr zwei Wochen Urlaub und dann und wann ein Kurztrip. Die Vorbereitungen können zuweilen die Vorfreude auf den Urlaub töten, denn die müssen ja auch noch in die letzte, volle Arbeitswoche gepackt werden. Aber dann ist der Urlaub ja wieder schön und man weiß, zu Hause wird die erste Woche so vollgepackt sein mit Aktivitäten, das man darauf die Woche gleich wieder fahren könnte. Aber ein Urlaub zu Hause wäre auch undenkbar, denn man würde das Hamsterrad nicht verlassen.
Oh Jammerliese, denkt ihr jetzt: Was soll denn das, so ist das Leben.
Das stimmt. Aber es geht auch anders und die zweite Hälfte meines Lebens wird anders aussehen. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt.
Ich bin gespannt.
Balba