"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Montag, 23. November 2009

Mops und Spargel



Am Samstag sah ich ein aktuelles Foto von mir und rief spontan aus: „Ich sehe ja wieder aus wie meine Cousine.“ Mein Mann widersprach mir nicht. Meine Cousine und ich sehen uns schon seit der Kindheit so ähnlich, dass wir immer für Schwestern gehalten werden. Zwischenzeitlich war unsere Ähnlichkeit etwas in den Hintergrund getreten, da meine Cousine ihrem genetischen Programm schneller folgte als ich und mir daher einige Kilos voraus war. Die habe ich jetzt wohl eingeholt, das Gleichgewicht ist wieder hergestellt und wir sehen wieder aus wie Schwestern. Das mit den Schwestern ist für uns Einzelkinder eine schöne Sache, zumal wir uns auch innerlich sehr verbunden fühlen, aber viel lieber wären wir zwei schlanke Schwestern.
In unsere Familie gibt es Möpse (väterliche Seite) und Spargel (mütterliche Seite). Die Spargel sind nicht etwa schlauer, kreativer, weltgewandter, schöner oder verfügen über mehr Disziplin als wir, nein, sie sind einfach anders programmiert. Meist Bauern, teilweise schon in der vierten Generation, zäh, stark, immer hungrig und trotzdem schlank. Meine Mutter konnte enorme Mengen fetter, kalorienreicher Nahrungsmittel vertilgen und hatte trotzdem immer das Problem ihr Gewicht zu halten und nicht noch dünner zu werden. Kann man sich das vorstellen? Als geborener Mops nur schwer. Mein Vater war ein Mops reinen Blutes. Sein Jahr teilte sich ein in Diäten z.B. vor und nach Weihnachten, dem Sommerurlaub, Karneval, Ostern, Pfingsten etc. Es gab einfach zuviele wunderbare Gelegenheiten sich den Bauch voll zu schlagen, dazu ein kühles Bierchen und ein Nachmittags ein Stückchen Kuchen. „Von nix kütt nix“, sagt der Kölsche. Man wird schließlich nicht vom Hingucken dick.
Es ist einfach ungerecht, jeder Mops wäre gerne dünn und so gut man sich auch mit seinem Mopssein arrangiert, man wird den Spargeln immer einen kleinen, neidvollen Blick zuwerfen. Und das schlimmste ist, die Spargel denken: Na dann esst doch nicht so viel. Das denkt mein Mann (Spargel) übrigens auch, obwohl er den Mops als solchen liebt, ihn aber die Jammerei zuweilen nervt. Er spricht es allerdings nicht mehr aus, da sonst eine Bratpfanne auf seinem Kopf landen könnte.
Was bleibt dem Mops also übrig? Er muss kämpfen, seinen Hunger mäßigen, seine Kleidergröße den Körperformen anpassen (niemals zu enge Klamotten tragen, das macht noch dicker) und sich bewegen, bewegen, bewegen und ab und zu mal ein bisschen jammern, so wie ich jetzt, aber nicht zu viel. Lieber noch eine Extrarunde um den Block laufen, das beruhigt das Gewissen und einmal im Jahr nach Amerika fahren, ins Land der unbegrenzten Möpse. Da wirkt man so schön schlank.
Schokoladige Grüße
Balba

Donnerstag, 19. November 2009

Meine kleine Horrorshow



Es war alles in Ordnung als ich den Laden betrat. Ich war gut gekleidet und auch das Make up hielt noch Stand, einziger Makel war meine Frisur. Bei einem Kurzhaarschnitt ist nach sieben Wochen die Fasson raus, daher mein gestriger Besuch beim Friseur.
Freundlich begrüßt konnte ich gleich durchgehen zu den Waschbecken. Schön war die Kopfmassage und mit Turbanhandtuch wurde ich zu meinem Platz geführt und dort begann die Horrorshow. Trocken gerubbelt und vom Handtuch befreit sah ich aus wie seinerzeit Mecki aus der Hörzu, alle Haare standen mir zu Berge und meine linke Augenbraue war ganz wuschig. Schnell kämmte die nette Friseurin durch meinen Schopf, Scheitel nach links, rosa Klämmerchen rechts, Scheitel nach rechts, blaues Klämmerchen links und so weiter. Was mir im Spiegel entgegen blickte glich einem mit Rock verkleidetem und geschminktem Mann.
Feine Härchen verteilten sich über meinem Gesicht wie schnell wachsende Barthaare und klebten an der Tagescreme fest. „Ohje, die Härchen“, sprach die Friseurin und verteilte die ganze Pracht mit einem Handtuch gleichmäßig über mein Gesicht. Mittlerweile sah auch die rechte, am Morgen sorgfältig gebändigte Augenbraue wuschig aus. Endlich waren alle Haare ab und ich wurde wieder zum Waschbecken geführt um die restlichen Härchen auszuspülen. Wieder mit Turban zum Platz zurück, Hokus Pokus und Mecki war wieder da, diesmal mit Bart.
Schräg gegenüber hatte es sich ein Mann mittleren Alters auf einem Stuhl bequem gemacht. Selber nicht sonderlich attraktiv (aber welchen Mann hätte das jemals gestört) linste er mit unverhohlenem Schrecken zu mir rüber. Ich versuchte ihn zu ignorieren und konzentrierte mich auf mein Spiegelbild in dem gerade meine Haare geföhnt wurden. Sie hat sich bestimmt verschnitten, ging es mir durch den Kopf, denn ich konnte immer noch keine gescheite Frisur erkennen. Aber nein, sie hatte – wie immer – alles richtig gemacht und als ich mit frisch gepuderter Nase und perfekt gestyltem Kopf in meinen Mantel schlüpfte, atmete auch der mittelalte Typ fast hörbar aus.
Geschafft! Bis zum nächsten Mal.
Balba

Donnerstag, 12. November 2009

Sexbombe



Sie ist klein, blond, drall, heißt Susi und ist unglaublich knuddelig. Sie ist die Marilyn Monroe vom Adenauer Weiher. Männer, also Rüden kommen nicht an ihr vorbei. Täglich werde ich gefragt ob sie läufig sei, doch sie ist seit einem halben Jahr kastriert (ja, das heißt auch bei Mädchen so).

Alles fing vor eineinhalb Jahren an, als unsere Malteserhündin zum ersten Mal läufig wurde. Nicht genug damit, dass dieses kleine weiße Wollknäuel auch die Herzen der härtesten Hundehasser mit ihrem Charme spielend bricht, ich hätte auch – ganz nach Rattenfängermanier – alle männlichen Stadtwaldhunde (zum Schrecken der Stadt Köln, die denn keine Strafen mehr kassieren könnte) mit Susi aus der Stadt führen können. Auch als sie längst nicht mehr läufig war, liefen wir selten ohne männliche Begleitung durch den Park. Wir gingen Nebenstrecken und schlichen durchs Unterholz, aber die Jungs fanden uns immer. Schweren Herzens und weil ich es mir nicht mit allen Hundebesitzern verscherzen wollte, brachte ich sie zum Arzt zur Operation, obwohl ich ihr wenigstens einen Wurf gegönnt hätte. Allerdings meinte der mit mir verheiratete Mitbewohner, er würde ein weiteres Zusammenleben in einem solchen Fall nochmal überdenken, da ich mich wahrscheinlich von keinem dieser kleinen Kuscheltiere getrennt hätte. Hmm, naja, einen hätte ich vielleicht noch behalten.

Nun fehlt ihr der lockende Duft und eigentlich dürfte sie für Rüden nicht mehr interessant sein, aber ihre Anziehungskraft ist weiterhin ungebrochen. Ist es die neckische Haltung ihres strubbligen Ringelschwänzchens, oder sind es die kleinen Hüpfer, die sie alle paar Schritte macht, so als hätte sie einen Schluckauf wobei beide Hinterbeine gleichzeitig nach oben hüpfen? Sehr anziehend ist auch ihre Art das linke Ohr so nach hinten zu legen, als würde sie die Augenbrauen hochziehen. Was auch immer es ist, wegen unserer kleinen Sexbombe haben sich erst gestern wieder zwei Rüden ordentlich in die Wolle gekommen und eine Hundebesitzerin sagte tatsächlich: "Nun nehmen Sie mal ihren Hund weg, dass ist das Schätzchen von meinem Hund."

Ich weiß nur eins, sollte meine Tochter in sechs bis sieben Jahren ähnliche Anziehungskräfte entwickeln wie unser Hund, dann ziehen wir auf eine einsame, unbewohnte Insel.

Liebe Grüße
Balba

Montag, 9. November 2009

Selbstvermarktung



Ich habe mich beworben, vor drei Monaten. Ganz optimistisch stellte ich meine Bewerbungsunterlagen zusammen und bewarb mich auf fünfzehn Stellenangebote, Teilzeit, Büroarbeit, von Sachbearbeitung bis Sekretariat. Mein Lebenslauf ist ausführlich, meine Zeugnisse spitze und das Bewerbungsschreiben ließ ich von einer befreundeten Personaldame prüfen, die es für gut befand. Für die meisten Stellen bin ich wohl eher etwas überqualifiziert, aber das stört mich nicht. Man lernt schließlich immer etwas Neues kennen und hat meistens die Möglichkeit sich innerhalb eines Betriebes beruflich weiter zu entwickeln. Kurz gesagt, ein Fuß in der Tür ist schon die halbe Miete.
Optimistisch war ich deshalb, weil ich bei meiner letzten Bewerbungsaktion vor zehn Jahren beste Erfahrungen gemacht hatte. Von zehn Bewerbungen, wurde ich zu acht Vorstellungsgesprächen eingeladen und konnte zuletzt unter drei Stellen wählen. Nach der Schwangerschaft konnte ich nicht zurück an meinen Arbeitsplatz, da wir für eine neue Arbeitsstelle meines Mannes von Nürnberg nach Köln zogen.
Und heute? Von fünfzehn Bewerbungen bekam ich fünfmal keine Antwort und die restlichen zehn Absagen kamen fast schneller als die Post sie ausstellen konnte. Unter einer Bewerbung stand:

Mit freundlichen Grüßen
Erika Müller
(Azubi)

Ah, ja, ich weiß das Absagen häufig von Azubis, nach Anweisung geschrieben werden, aber muss das auch drunter stehen. Da fühlt man sich wie der letzte Husten, oder? Schlechter Stil!

In einer Absage stand:
Wir bedauern, dass ihre PC-Kenntnisse nicht für unser Arbeitsprofil ausreichen.

Hm, diese Aussage erweckt in mir den Verdacht, dass der zuständige Personalmensch nicht über Bild, Alter und Familienstand hinaus gelesen hat. Es wurden gute PC-Kenntnisse verlangt, okay und meinem Lebenslauf kann man u.a. entnehmen: Trainerin für MS Office (alle gängigen Programme), SAP Kenntnisse und Aufbau der Homepage einer Privatbank. An welche PC-Kenntnisse hatten die Stellenvergeber denn wohl gedacht? Programmierung des NASA-Computers?
Also, ich will mal hier nicht zickig sein, aber etwas merkwürdig ist die Sache schon. Meiner Meinung nach sind wir Frauen über vierzig so erfahren und belastbar wir nie zuvor in unserem Leben, warum möchte da kein Firmenchef von profitieren?

Eine sehr gute Freundin, ebenfalls Mitte vierzig, musste vorletzte Woche nach der Pleite und Flucht ihres Mannes den Gang zum Arbeitsamt antreten. Ihre Wohnung ist 200 Euro zu teuer um Wohngeld zu erhalten und Harz IV gibt es auch nur, wenn sie sich auf alle Stellenangebote der Agentur bewirbt. Am Freitag bekam sie sechs Stellenangebote, alles Callcenter-Stellen in Vollzeit, mit der Maßgabe bis Montag (zum nächsten Termin) alle Bewerbungen geschrieben zu haben, da sonst kein Geld angewiesen werden könnte. Auf den Einwand, sie habe ein Kind, das lediglich bis 16 Uhr betreut würde, gingen die Arbeitsvermittler nicht ein. Dann solle sie eben für eine längere Betreuung sorgen.

Wir sind ein Sozialstaat und hier muss niemand verhungern, das haben wir vielen anderen Ländern voraus, aber der Fall kann ganz schön tief sein, insbesondere für mittelalte Frauen, die im Vertrauen auf ihren Partner ihren Arbeitsplatz zu Gunsten der Kinder aufgegeben haben. Dumm gelaufen.

Uns bleibt die Selbstvermarktung. Netzwerke aufbauen, sich im Internet präsentieren, Blogs schreiben, Produkte bei Dawanda.de verkaufen, oder wie besagte Freundin, ihren Nebenberuf als Kosmetikberaterin zum Vollzeitjob ausbauen. So kann sie sich wenigstens noch einigermaßen um ihre Tochter kümmern und verdient mehr als mit jedem Callcenter-Job, hoffentlich. Eine Nachbarin arbeitet als Physiotherapeutin, Fitnesstrainerin und Suchtberaterin (zwei Kinder), eine Andere steht morgens beim Bäcker hinter der Theke, engagiert sich in der Schule und gibt Schwimmunterricht (ein Kind). Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen und es handelt sich hier nicht um ungelernte Mütterchen, sondern um fitte, leistungsfähige, engagierte Frauen die keine andere Wahl haben als sich durch die Jobs zu hangeln.
Dazu kommen noch die Mütter, die nach der Geburt ihrer Kinder wieder zurück zu ihrer Arbeitsstelle gegangen sind, es ihnen dort aber schon lange nicht mehr besonders gut gefällt. Sie bleiben bei ihrem Arbeitgeber, weil sie keine Alternative mehr bekommen.

Hier wird ein riesiges Potential an produktiver Arbeitskraft, an Knowhow und Kompetenz verschenkt. Bedauerlich!

Ich wünsche allen mittelalten Mamas Glück und Erfolg.
Balba

Mittwoch, 4. November 2009

Ovi



Habt ihr schon einmal in eure Kleidungsstücke geschaut? Die Nähte die ihr dort seht sind nicht Omis üblicher Zickzackstich, sondern es handelt sich um sogenannte Overlocknähte, also Profinähte. So, jetzt habt auch noch schnell was gelernt.
Vor vielen, vielen Jahren erzählte mir eine damals sehr junge Kollegin, sie hätte lange gespart und sich endlich die ersehnte Overlockmaschine für über tausend Mark gekauft. Ich war sprachlos und dachte: Hat die einen an der Waffel, für tausend Mark würde ich mir aber ganz andere schöne Sachen kaufen. Nun, die Zeit vergeht, der Mensch wird schlauer (oder verrückter, wer weiß), die Nähmaschinen preisgünstiger und seit gestern steht hier neben meinem Schreibtisch eine nagelneue Overlockmaschine. Juuuuubel.

Handarbeiten sind unser Familienfluch. Alle meine Tanten, die Oma und überhaupt fast jedes weibliche Wesen, einschließlich meiner Mutter, saßen selten ohne eine Handarbeit einfach nur rum. Beim Ratschen oder Fernsehen konnte man schließlich nebenbei noch schnell zwanzig Paar Socken für Nikolaus, oder eine Häckeldecke für den Esstisch fertigen. Stand ein festliches Ereignis an, wurde mal flott ein Kleid maßgeschneidert und hatte man mal keine Idee: ein Schal auf Vorrat oder ein paar Topflappen aus Wollresten gingen immer. Einfach nur rumsitzen galt als langweilig. Eine kleine Handarbeit habe ich natürlich auch immer in Arbeit, aber dann entdeckte ich letztes Jahr das Nähen wieder neu. Es war, als hätte ich eine alte Freundin wiedergefunden. Nach und nach zogen eine Näh-, eine Stick- und gestern eine Overlockmaschine in unser Haus ein. Unser Büro mutierte zu einem kleinen Nähatelier, mit einer Menge an Stoffen, Bändern, Knöpfen, Schnittmustern und aller Art von Zubehör.

Wenn ich weiß, dass ich ungestört zwei oder drei Stunden an meiner Nähmaschine verbringen kann, ist das für mich das Paradies, die pure Entspannung. So wie für andere Leute Yoga, oder Tai Chi. Einen Stoff zu fühlen, die passenden Accessoires auszusuchen, das Zuschneiden und Nähen und zuletzt das fertige Objekt anzusehen ist wirklich ein sinnliches Vergnügen.

Ihr haltet mich für verrückt, gell? Egal, ich wünsche jedem Menschen ein Hobby, oder noch besser einen Beruf der ihr/ihm so viel Freude macht. Wenn das jeder hätte, wären die Psychiater bald arbeitslos.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag
balba
Hier noch ein kleiner Link, um Euch die lange Zähne zu machen.