"frei"-berufler

"frei"-berufler

Freiberuflerin, oder Hausfrau mit drei Jobs, Kind, Mann und Hund? Ja, was bin ich denn? Ein Tag vergeht wie im Flug, ist ausgefüllt bis zum Rand und trotzdem bleibt die Frage: "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Also....




Donnerstag, 30. Juni 2011

Donnerstag

Gestern begegnete mir eine Mutter der neuen Generation (obwohl im gleichen Alter wie ich) die die lästige Erziehung ihrer Kinder ganz in die Hand öffentlicher Institutionen gibt.

Immer mittwochs gebe ich einen Tastschreibkurs (Zehn-Finger-Schreibsystem) für die Unterstufe eines Gymnasiums. Die Schüler sind häufig müde, nach einem langen Schultag und überdreht, aber gut drauf und erstaunlich motiviert. Schon nach ein paar Unterrichtseinheiten zeigen sich die ersten Fingerakrobaten, aber auch Kinder die vorher skeptisch waren, machen große Fortschritte. Ein Junge hat allerdings überhaupt keine Lust auf den „Mist“ und macht in den 90 Minuten allerhand „jedöns“. Ich mag ihn, finde aber auch, dass er die anderen Schüler stört und sich selber nicht quälen sollte, denn der Kurs ist freiwillig und wer nicht will sollte auch nicht müssen, denn so lernt man nichts.
Ich sprach erst mit ihm, dann mit seiner Mutter und diesen Dialog mit der Mutter muss ich hier mal kurz wiedergeben:

Ich: „Frau X, ihr Sohn hat überhaupt keine Lust auf den Kurs. Wollen Sie ihn nicht
lieber raus nehmen. Das macht doch keinen Sinn. Warum soll er sich denn
quälen?“
Fr. X: „Natürlich hat der keine Lust, ich habe ihn ja dazu verdonnert das zu machen. Aber in Ihrem Prospekt steht: Jedes Kind lernt bei uns mit Spaß das Zehn-Finger-Schreibsystem. Wenn mein Sohn keinen Spaß hat, liegt das nicht an ihm sondern an Ihnen. Dann ist ihr Kurs nichts wert und ich kann mein Geld zurück verlangen.“
Ich: „Nun, die anderen Kinder sind motiviert, machen mit und haben anscheinend auch Spaß, aber gegen Arbeitsverweigerung bin ich machtlos. Was soll ich Ihrer Meinung nach mit Ihrem Sohn machen? Ich kann ihn doch nicht zwingen.“
Fr. X: „Das ist ihr Problem. Wenn Sie meinen Sohn nicht motivieren können, taugt Ihr Kurs nichts.“

Der arme Junge. Von seiner Klassenlehrerin weiß ich, dass er bisher aus allen Kursen rausgeflogen ist und sie sich wundert, dass ich eigentlich ganz gut mit ihm auskomme. Fr. X kam gestern zum Hospitieren in die Klasse, ging ein ums andere Mal zu ihrem Sohn an den Platz und flüsterte mit ihm, so lange bis dem Jungen die Tränen in den Augen standen. Das tat mir in der Seele weh.

Für mich heißt das, bevor man einen nervig, wilden und anstrengenden Jungen wegen seiner Art verurteilt, oder ihn bestraft, sollte man sich erstmal seine Eltern angucken. Denn wie heißt es so schön: „Die Kinder kommen selten auf die Nachbarn.“

Bis morgen…….

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