Im Stadtwald begegnen einem doch die seltsamsten Dinge. Auf einer großen, abschüssigen Wiese begegnet mir ein Mann mit einem Hund. Erstmal nicht ungewöhnlich. Es ist vielleicht einer der letzten sehr warmen Tage und der Mann hatte sich in der Wahl seiner Kleidung verschätzt und sich zu warm angezogen. In seiner Freude über die Wärme ließ er alle Hemmungen fallen und entledigte sich erst seiner Jacke, dann des Hemdes und zuletzt riss er sich befreit das T-Shirt über den Kopf. Der Mann war glücklich, das sah man. Aber was war mit seinen Zuschauern? Was war mit mir? Da kam mir kein Adonis entgegen, sondern lediglich ein etwas hängebrüstiger Mittfünfziger. Musste ich das jetzt schön finden?
Leider ist es ja so eine Sache mit der Schlagfertigkeit, besonders nach einem guten Essen in der prallen Mittagssonne. Als wir einander passierten hielt ich den Mund, obwohl ich ihn doch eigentlich etwas fragen wollte: „Hallo, guten Tag. Darf ich Sie etwas fragen?“ Wahrscheinlich hätte er genickt und ich wäre fortgefahren: „Was halten Sie davon wenn ich mich jetzt ausziehe? Ich meine, ich lege jetzt mal meine Jacke, mein T-Shirt und natürlich auch meinen BH ab, würde ihnen das gefallen, oder wären Sie peinlich berührt? Mir ist nämlich warm, wissen Sie.“ Nun, wahrscheinlich hätte er mich entsetzt angeblickt und wäre kommentarlos weiter gegangen, angesichts dieser schockierenden Vorstellung. Denn genau wie er, bin ich keine knackige Zwanzigjährige mehr, deren Anblick ihn bestimmt erfreut hätte.
Als Frau oben-ohne durch den Stadtwald zu laufen ist eine groteske Vorstellung und würde allenthalben auf Unverständnis stoßen, einem Mann ist das gestattet. Warum eigentlich? Ich war nämlich etwas peinlich berührt, weil ich nicht gerne alleine mit einem halbnackten, wenig attraktiven Mann durch den Stadtwald spazieren möchte. Weder interessieren mich seine Hautfalten, noch sein Hängebusen. Meiner würde ihm wahrscheinlich auch nicht gefallen.
Fünf Minuten später lief mir der nächste halbnackte Sechzigjährige über den Weg. Den wollte ich fragen, aber er bog schnell um eine Ecke und war verschwunden. Hat wohl die Lunte gerochen.
Liebe Männer, bitte hört auf meinen Appell: „Laßt et sein. Zieht Euch was Nettes an und erspart uns Eure nackten Tatsachen. Die interessieren uns nämlich nur wenn ihr a) unter dreißig und knackig seit, oder b) mit uns eine Beziehung führt. Sonst eher nicht.
Viele Grüße
balba
Leben und leben lassen! Auch knapp über 30-jährige können noch einen knackigen Oberkörper haben... ;)
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